Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1918)
- Date
- 1918-03-01
- Page
- Seite 242 (sequence 110)
- Language
- German
- Belongs to
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242 I. M. Japhet. gesehene Konkurrentin des ausschließlich geschätzten Talmud- Studiums? Noch weniger Interesse an einem Unterricht, der von, den Namen der Buchstaben bis zu den unregelmäßigen Zeit- Wörtern führte, konnten freilich die entschiedenen Vertreter der!Reform haben, die eine gründliche Pflege der hebräischen Sprache neben so vielem anderen, was die Jugend lernen .,muß“, kaum für möglich — vielleicht auch nicht für wünschenswert halten konnten. Japhet fand — vielfach an Heidenheim anknüpfend — zwischen beiden seinen Weg, in der Methode so modern wie nur einer der Neueren, in der Liebe zur ״Süße“ der Sprache, wie der Titel des größeren Werkes andeutet, hinter keinem der Frömmsten zurückstehend; aber dieser Mittelweg beruhte nicht auf halbwahrem Kompromiß: weil ihm die Erhaltung des alten Judentums mit Thora, Tefilla und Machsor Herzenssache war, wählte er den besten Weg, um die Jugend zu seinen Quellen zu führen. Wie die Schulschriften aus der Tätigkeit des Lehrers, so gingen die Synagogenmelodien, die ״Schire Jeschurun״, wie er sie nach dem stolzen Namen der jungen Reiigionsgesellsehaft bezeichnete, aus der Praxis des Chorleiters hervor, Scheinbar kam Hirsch und seine Gesinnungsgenossen mit der Einführung des Chors der Reformbewegung einen Schritt entgegen, so gewiß der religiöse Gesang (und die religiöse Anspräche) im Judentum Heimatrecht hat: aber gibt es nicht noch heute manche, denen ein Gottesdienst •ohne planmäßig einstudierte Gesänge altjüdischem Wesen reiner zu entsprechen scheint? Jedenfalls mußten Hirsch und seine Freunde ihr Augenmerk darauf richten, daß der jüdische Charakter des Gottesdienstes durch die eingefügten Gesänge nicht verfälscht, sondern die Hingabe der Gemeinde an die überlieferte Tefilla womöglich noch gesteigert werde. Daher machen Japhets Gesänge zwar natürlich Anspruch auf künstlerischen Wert — und, wie Männer vom Range Spohrs und Meyerbeers anerkannt haben, mit׳ Recht —; aber ihre eigenartige Bedeutung liegt in ihrem echtjüdischen Charakter, den sie nicht nur wegen ihrer Anknüpfung an das Chasonus und wegen der pietätvollen Ver-