Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1918)
- Date
- 1918-03-01
- Page
- Seite 239 (sequence 107)
- Language
- German
- Belongs to
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Tanered. & ^39 des Christentums überhaupt nötig war. Wenn die Juden überhaupt nicht meür existierten, so würde dennoch dieser Zweck erreicht worden sein.“ ״Und welches ist Ihrer Meinung nach der hauptsächlichste Zweck des Christentums?“ ״Die Tilgung der Südenschuld.״ ״Ah!״ sagte das Mädchen mit feierlichem Ausdruck, ״das ist eine große Idee, die mit unseren Instinkten, Überlieferungen und Sitten ebenfalls übereinstimmt. Auch in diesem Lande glaubt man fest daran. In eurem christlichen Glauben verliert diese Lehre keineswegs ihre erhabene Bedeutung und ist, trotz ihrer mystischen Einkleidung, wohl geeignet, Kraft und Trost zu spenden. Ein sich opfernder Vermittler, ein die Sünden auf sich nehmender Heiland, der aus der auserwähltesten Familie des auserwähltesten Volkes stammt und dessen wunderbare Natur göttliche mit menschlichen Eigenschaften vereinigt, ein Mann, der durch sein versöhnendes Blut die Millionen, die schon da waren, und die Millionen, die noch kommen werden, •für immer von ihrer Sündenschuld reinigt, ganz einerlei, welchem Klima und welchem Glauben sie angehören — das ist der Inhalt eures christlichen Glaubens. Ich bewundere die großartige Auffassung, obgleich ich gestehen muß, daß mein Hirn es nicht gänzlich zu fassen imstande ist. Ich verstehe nur das eine: die menschliche Basse ist erlöst, und ohne die aufopfernde Beihilfe eines jüdischen Prinzen hätte sie nie erlöst werden können. Nun sagen Sie mir: angenommen, die Juden hätten die Börner nicht aufgefordert. Christum zu kreuzigen — wie stünde es da mit eurer Sündenschuld?“ ״Ich kann solchen Ausführungen unmöglich folgen,“ sagte Tanered, ״das Thema ist ein zu hohes, um es durch feine Spekulationsversuche zu entweihen. Ich darf mit meinem Verstände nicht an die Erklärung eines Ereignisses mich heranmachen, das der Schöpfer dieser Welt sich erlich tausende von Jahren vorausbestimmt hat.“ ״Ah?“ sagte die Dame, ״der Schöpfer der Welt hat dies Ereignis tausende von Jahren vorausbestimmt! Worin besteht dann also das unsühnbare Verbrechen jener, die seinen heiligen Willen ausgeführt haben? Die heilige Basse lieferte die Opfernden und den Geopferten. An welch andere Basse hätte man solch ein Ansinnen stellen können? War nicht auch Abraham bereit, seinen Sohn zu opfern? Und mit einer solchen Lehre, die alle Zeit und allen Raum, nein, noch mehr, die das Chaos und die Ewigkeit umfaßt, mit einer Lehre, deren Verkündiger von Gott gesandt sind und deren Zweck die Erlösung des ganzee Menschen־־ geschlechts ist—mit einer solchen Lehre können Sie die elende Verfolgung einer einzelnen Rasse verbinden? Und dies ist durchaus nicht dogmatisches, sondern praktisches Christentum. Es steht davon nichts in euren christlichen Büchern, die alle von Juden geschrieben sind; diese Ansicht