Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1918)
- Date
- 1918-03-01
- Page
- Seite 238 (sequence 106)
- Language
- German
- Belongs to
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Tancred. 238 wie Athen erobert worden, und das Schicksal der Heiligen Stadt war dann niemals schlimmer als das der griechischen; aber die Juden fochten leider mit solcher Tapferkeit und machten gegen die Sieger so viele Aufstände, daß sie schließlich aus ihrem Vaterlande verpflanzt werden mußten. Ich bin der Meinung, daß die jüdischen Gemeinden von heute meist von den zehn Stämmen abstammen, oder Nachkömmlinge jener Gefangenen sind, die schon vor Christi Geburt aus Palästina hinweggeführt wurden, denn diese Auffassung scheint allein gewisse Dinge zu erklären, die sonst ganz rätselhaft bleiben würden. Aber das nebenbei. Wir wollen ruhig annehmen, daß alle Juden in allen Städten der Welt Abkömmlinge jenes Mobs seien, der einst um das Kreuz herum stand und seine Frechheiten in die Luft heulte. Aber jetzt eine andere Frage. Mein Großvater ist ein Beduinenscheik. das Haupt eines der mächtigen Stämme der Wüste. Meine Mutter war seine Tochter. Er ist ein Jude, sein ganzer Stamm besteht aus Juden, sie lesen die fünf Bücher Mosis, gehorchen deren Gesetzen, leben in Zelten und machen sich aus nichts etwas als aus J., Moses und ihren Pferden. Waren die auch bei der Kreuzigung in Jerusalem und haben die auch etwas mit dem Pöbelgeschrei von damals zu tun gehabt? Meine Mutter heiratete einen Juden aus der Stadt, und einen, der wert war, auf dem Throne Salomonis zu sitzen, und vor dieser Frau läuft ein kleiner, christlicher Halunke mit einem runden Filzhut auf dem Kopfe, der in Smyrna mit Feigen schachert, weg auf die andere Seite der Straße, weil er nicht mit jemand aus einem Volke in Berührung kommen will, das einst seinen Heiland gekreuziget hat: jenen Heiland, der. wie er selber zugibt, ein Fürst unseres königlichen Hauses ist! Nein, niemals werde ich eine Christin werden, ich könnte den Unsinn nicht hinunterschlucken. Übrigens steht es auch nicht in euren Büchern. Diese wurden von Juden verfaßt, die ihre Geschichte zu genau kannten, um den Leuten solche Fabeln aufzutischen! ״. ״Sie sprechen von Dingen, die mich aufs höchste interessieren und deretwegen ich hierhergekommen bin. Aber sagen Sie mir, Sie können doch nicht leugnen, daß, was auch immer die Ursache sei, das Wunder unzweifelhaft vorhanden ist, daß die Juden ganz allein von den alten Rassen übriggeblieben und in alle Länder zerstreut sind, und dies gleichsam wie zumRAndenken an ihre dunkle und’ mächtige Vergangenheit.“ ״Ihr heutiger Zustand mag wunderbar, aber braucht keine Strafe zu sein. Aber warum wunderbar? Ist es wunderbar, daß J. über sein Volk gewacht hat? Und konnte er es besser beschützen als durch die Verleihung von Fähigkeiten, die höherer Art sind als die, deren sich unsere Wirtsvölker erfreuen?“ ״Ich sehe nicht ein“, sagte Tancred nach einer kurzen Pause, ״warum die Strafe und Zerstreuung der Juden für den Hauptzweck