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Jeschurun · 1918-03-01 · Heft 3-4 (März 1918) · p. Seite 236

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 3-4 (März 1918)
Date
1918-03-01
Page
Seite 236 (sequence 104)
Language
German
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Tancred. 236 waren, und heute betet man in Rom auf allen Altären anstatt zu ihnen, zu dem alten Gotte Abrahams, Isaaks und Jakobs. Ist es wirklich der Wind, der über die Ebene von Saron von der See kommt? Oder bedeutet das leise Flüsterschwirren, das an unser Ohr schlägt etwas anderes? Schweben vielleicht die abgeschiedenen Geister der großen Propheten immer noch lim diesen heiligen Ort, hört man noch immer von Zeit zu Zeit ihre Stimme hier nächtlings in Trauerklagen über jene Stadt ausbrechen, die sie einstmals nicht haben retten können? Weigern sich ihre Schatten, das Land zu verlassen, für das sie gelitten, für das sie gekämpft, für das sie geblutet und über dessen unabwendbares Schicksal die göttliche Allmacht selber einst menschliche Tränen vergossen hatte? Und auf diesem Berge hier! Wer kann es bezweifeln, daß hier auf dem Gipfel, von dem die Himmelsfahrt einst stattfand, noch heute um die Mitternachtstunde die großen Toten Israels Zusammenkommen, um die Zinnen jener mystischen Stadt, der ihr Herz und ihr Blut gehörte, noch einmal zu betrachten? Helden und Weise finden sich dann hier zusammen, die sich den edelsten und weisesten Männern aller anderen Völker ruhig an die Seite stellen können: jener Gesetzesgeber aus der Zeit der Pharaonen, dessen Gesetzen man noch heute gehorcht; jener König, dessen Regierung vor dreitausend Jahren zu Ende ging, aber dessen Weisheit am Leben blieb und bei allen Nationen der Erde sprichwörtlich geworden ist; jener Lehrer, dessen WTorte das zivilisierte Europa von heute geschaffen haben — der größte Gesetzgeber, der größte König, der größte Reformator —, welche Rasse, welche lebendige oder tote Rasse hat drei solche Männer wie diese hier jemals hervorgebracht! Jerusalem, das kann keinem Zweifel unterliegen, wird auf ewig die Mitgift Israels oder Ismaels bleiben, und wenn man im Laufe jener großen Veränderungen, die dem Osten bevorstehen, den Versuch machen sollte, auf den Thron Davids einen Prinzen vom Hause Koburg oder Zweibrücken zu setzen, so wird ihm dasselbe Schicksal zuteil werden, das trotz der Hilfe von ganz Europa und trotz ihrer hervorragenden Tapferkeit die Gottfrieds, die Balduins und die Lusignans ereilt hat. Der Anblick Jerusalems ist die Geschichte der Welt; er ist mehr als das, er ist die Geschichte von Himmel und Erde.“ Greifen diese Worte uns nickt ans Herz, als Worte echter Zionsliebe, als Nachklänge unserer Zioniden, in denen wir am Tage der Zerstörung Jerusalems und des Tempels in Wehmut der alten Herrlichkeit gedenken? Und nun noch einige Worte, in denen der Verfasser das jüdische Volk sprechen läßt in bitterer Klage, die zur Anklage wird über die Jahrtausende währenden Verfolgungen im Namen der Religion.

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