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Jeschurun · 1918-03-01 · Heft 3-4 (März 1918) · p. Seite 235

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 3-4 (März 1918)
Date
1918-03-01
Page
Seite 235 (sequence 103)
Language
German
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Tancred. 235 ״Es kann gar nicht anders sein“, sagt Xanred, ״ein Land, in dem einst Gott erschienen ist, bleibt für immer vor allen anderen ausgezeichnet. Irgend eine himmlische Eigenschaft muß es sicherlich auf ewig bewahren. Ich werde die Berge, die einst von Engeln besucht wurden, fragen, warum die himmlischen Besucher ihnen heute ferribleiben. Ich werde ein Gebet an den Erlöser richten, der uns einst versprochen ward, ich werde auf derselben Stelle ihn anrufen, an dem das Versprechen einst gegeben ward. Ich habe diesen Erlöser dringend nötig. Vergeblich habe ich in England nach ihm gesucht. Keine Erleuchtung von oben ist mir gekommen — ich kenne auch niemand anderen in England, dem sie gekommen wäre. Damm hat sich in mir die Meinung ausgebildet, daß die Stimme Gottes sich nur im heiligen Lande wahrnehmen ließe und daß man dorthin wallfahren müsse, aber nicht in Eile und Hast, sondern von ruhigen, frommen Gedanken erfüllt, denn ich habe die feste Überzeugung, daß die Schwierigkeit und Länge der Reise zu deren Erfolge unabänderlich nötig ist" (S. 139). Diese Sätze sagen an sich nicht so viel. Aber man muß sie in dem Zusammenhang der Erzählung lesen, welch fassungslosem Staunen sie bei der Umgebung begegnen, nicht nur bei den oberflächlichen Genießern, nicht nur bei den Männern, praktischer Lebensweisheit und ernster Lebensführung, sondern auch bei dem Bischof, dem offiziellen Künder und Vorkämpfer der religiösen Lehren. Ja auch bei den Eltern, die in ihren Wesen mit ihrem Kinde soviel verwandte Züge aufweisen. Es ist von köstlicher Ironie, wie die Mutter, diese sittenstrenge Frau, die den Verkehr in der Gesellschaft, in der sie eine der höchsten Stellungen annimmt, nur deshalb flieht, weil sie jede Berührung mit den herrschenden Lebensanschauungen meiden will, wie diese Mutter ganz glücklich ist über die Versuchung, die den so treu behüteten Sohn vielleicht in einen Ehebruch verwickelt. Und alles nur deshalb damit er von dem ״wahnwitzigen“ Gedanken lasse, nach Jerusalem zu reisen! ״Jerusalem ist eine Hügelstadt, die weit berühmter ist als Rom: denn ganz Europa hat von Zion und dem Calvarienberge gehört, während der Araber und Assyrer und die Stämme und Völker Vorderasiens vom Aventin und Capitol so wenig etwas wissen, als vom Kreuzberg und den Hügeln von Hampstead. Titus zerstörte den Tempel. Die Religion Judäas aber hat sich gerächt und ihrerseits die Heiligtümer zerstört, die dem göttlichen Titus wie seinem Vater in ihrer Kaiserstadt am Tiber errichtet worden

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