Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1918)
- Date
- 1918-03-01
- Page
- Seite 232 (sequence 100)
- Language
- German
- Belongs to
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232 WeHhausen und der heutige Stand der Bibel Wissenschaft. spektspflicht enthoben, die man noch allenfalls aus der vorerwähnten Ursache der alttestamentliehen Periode schuldig zu sein glaubt. So findet es ein Gelehrter von seinem Anseben für gut, von den Rabbinen als ״Virtuosen der Frömmigkeit“, ihrer ״juristischen Verschmitztheit“ oder dem ״Götzendienste des Gesetzes“ *) zu sprechen. Aber welche Änderung im Ton, sobald Wellhausen im Schlußkapitel das urchristliche Neuland betritt. Gegenüber dem Stifter der christlichen Religion ist es mit dem kritischen Instinkt ein für allemal aus; Wellhausen erkennt sich selbst nicht mehr. Er, dessen Triebfelder bei jeder alttestamentliehen Betrachtung, wie man leicht erkennt, die Negation des Wunderglaubens ist, versteigt sich hier zu dem Dithyrambus ״Welch7 göttliches Wunder in dieser Umgebung?“ Und mit Recht, denn die historische Kritik darf sich zwar auf die (jüdische) ״Umgebung“, beileibe aber nicht auf das neutestamentliche ״Wunder“ erstrecken* 2). Juda Halevi, der unsterbliche Dichterphilosopb des Judentums, gründet die Wahrheit von dessen Lehre auf die nicht hinwegzuleugnenden einzigartigen Ereignisse der Geschichte Israels (Kusari I 11, bes. 83 ff.). Die Offenbarung am Sinai, der Auszug aus Ägypten, die Wanderung durch die Wüste, die Prophetie sind offenkundige Tatsachen, geschehen vor den Augen des ganzen Volkes. Damit hatte Halevi das Judentum gegen die Angriffe seiner Zeit gesichert, denn das Mittelalter zog die W7ahrheit einer Tradition nie in Zweifel. Anders in unserm Zeitalter, das man das historische nennt, wo auch um die israelitische Überlieferung vor dem Forum unerbittlicher geschichtlicher Kritik der Kampf tobt. Der Beruf des Judentums, seine Lehre in der Welt zu propagieren, bedeutet da, für die Wahrheit seiner Tradition einzutre ten. Diese braucht aber das Tribunal unparteiischer Geschicht sforschung ebensowenig zu scheuen wie die mittelalterlichen Geisteswaffen. Dazu bieten die reichhaltige jüdische Tradition selbst und die durch die zeitgenössische Wissenschaft geförderte ז) Isr. u. jüd. Gesch. 2S3 f. 2) Vgl. schon Güdemann a. a. O. Einl. S. XII ff.