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Jeschurun · 1918-03-01 · Heft 3-4 (März 1918) · p. Seite 231

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 3-4 (März 1918)
Date
1918-03-01
Page
Seite 231 (sequence 99)
Language
German
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Wellhausen und der heutige Stand der Bibel Wissenschaft. 231 orientalischen Geschichte. Die ״chinesische Mauer“, welche Wellhausen um das Volk Israel errichtete, begann so immer mehr zu schwinden, und damit wankten die Grundpfeiler seiner Lehre1). Sehr zu ihrem eigenen Schaden hatte Wellhausens Lehre sich nicht als Vorschlag zur Lösung der pentateuchkritischen Fragen, als das, was sie ist, eine wissenschaftliche Hypothese präsentiert, sondern als die ausschließlich unfehlbar richtige Lösung selbst, obwohl die übergroße Subjektivität ihrer Anschauungen deutlich hervortrat. Dabei wurden diese Thesen als gesicherte Ergebnisse der Wissenschaft in die Laienwelt hinausposaunt, wo sie bei dem religions- und offenbarungsfeindlichen Geist der Moderne die freundlichste Aufnahme und rascheste Verbreitung fanden. Es dürfen daher, der geschiehtliehen Gerechtigkeit halber, die schwerwiegenden Folgen der bibelkritischen Lehre, und besonders der Wellhausenschen, nicht verschwiegen werden, daß sie — wie wenig dies auch in den Intentionen ihrer keineswegs areligiösen Urheber liegen mochte — ihrerseits wiederum zur Unterwühlung der Religiosität des Volkes beitrugen und die Ehrfurcht vor der Bibel, deren Ewigkeitswert die Kritik nicht minder anerkannt haben will, als die ״starrste Orthodoxie“2), stark beeinträchtigen mußten3). Bedauerlich bleibt es ferner, daß die hinreißende Dar- Stellungsgabe Wellhausens es nicht verschmäht hat, sich — durch kein Bedürfnis wissenschaftlicher Kritik zu rechtfertigender — Ausfälle gegen Juden und Judentum zu bedienen, sobald sie auf jenes durch das Schlagwort des Judaismus gekennzeichnete Zeitalter zu sprechen kommt. Da dieser nicht mehr als Vorläufer des Christentums betrachtet werden kann, sondern als Folie dienen muß, fühlt sich Wellhausen auch jener Re- ף Auch von Gunkel a. a. O. zugestanden. ף Vgl. Gunkel ״Was haben wir am A. T '?*. Deutsche Bundschau 1914 (Novemberheft S. 215 ft). 3) Daraus erklären sich auch jene fast beispiellosen Beschimpfungen der jüdischen Beligion, welche der Anlaß zu dem aufsehenerregenden Kittel’schen Gutachten boten. Diesem traten m. mehrfach erwähnten Bibelwiss. Irrungen entgegen. 16*

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