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Jeschurun · 1918-03-01 · Heft 3-4 (März 1918) · p. Seite 228

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 3-4 (März 1918)
Date
1918-03-01
Page
Seite 228 (sequence 96)
Language
German
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2 28 Wellhausen und der heutige Stand der Bibel Wissenschaft. aussetzen, um priesterlicfce Mystifikationen in Form neuerdaehter Gesetze, die tief in das Leben des einzelnen eingriffen, als mosaisches Gut aufzudrängen. Pseudoisidorische Fälschungen waren da undenkbar. Zum Überfluß enthält aber gerade der Priesterkodex (nach Wellhausen die jüngste Schicht) Vorschriften komplexe, die — worauf schon Hoffmann wiederholt hinwies — für den restaurierten jüdischen Staat völlig belanglos sein mußten. Ferner sei ervorgehoben, daß die Opferthora des Levitieus eine Reihe formaler Übereinstimmungen mit dem babylonischen Ritual aufweist 1)״ die beide also auf einen gemeinsamen ursemitischen Opferungstyp hindeuten. (Dessen Kenntnis, nebst der Gruppierung in opferungstaugliche und ־untaugliche Tiere, setzt die Thora schon bei Noah voraus). Aber dieses hohe Alter gilt nicht nur von den Tempelgebräuchen. Auch die Jobeigesetzgebung über die Unveräußerlichkeit von Grund und Boden, sowie die kommunistische Wirtschaft des Brachjahres knüpfen an primitive Zustände an, wo sich das individuelle Eigentum an unbeweglichem Vermögen eben herausbildet, aber immerhin noch stark familienrechtlich gebunden ist. Hammurabis Zeit in Babylon ist über diese Reste einer Gemeinwirtschaft im dritten Jahrtausend ante weit hinaus, obwohl Erinnerungen hieran im gepflanzt worden, diese Bücher zu betrachten und zu verehren als Schriften, die heilige und göttliche Lehren enthalten, und bei ihnen fest zu verbleiben, wenn es aber nottut, um ihretwillen den Tod mit Freud: r ׳ eiden. Denn sehr oft (das Schauspiel ist nicht neu) haben in großer Anzam die jüdischen Gefangenen die martervollsten Todesarten in aller Öffentlichkeit erduldet, um nicht mit einer Silbe gegen die Lehre (Thora) und ihren Inhalt zu verstoßen. Wer unter den Griechen würde derartiges aushalten oder nur ein geringes Unglück ertragen, kämen auch alle ihre Schriften in Gefahr vernichtet zu werden?“ *) Vgl. Schräder a. a. O. bes. S. 598. Jampel a. a. O. S. 232, Jeremias, A. T. i. A. O. S. 375, sowie die dort zit. Literatur. Heben den Ähnlichkeiten darf man aber nicht — wie auch Jampel — die weitgehenden Divergenzen übersehen. Das Fehlen eines ba־ bylonischen Äquivalents für manche termini des hebräischen Opferritus (wie dies aus der Zusammenstellung bei Jeremias ersichtlich) ist betudeungsvoll.

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