Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1918)
- Date
- 1918-03-01
- Page
- Seite 227 (sequence 95)
- Language
- German
- Belongs to
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Wellhausen und der heutige Stand der Bibelwissenschaft. 227 Wir erinnern, daß Wellhansen selbst sich für die Jugend von P nicht auf literarkritische Gründe berief: im Gegenteil die von jeglichem Aramäismus freie Sprache von P war von jeher zugestandenermaßen mit einer exilischen Abfassung schwer zu vereinen. Wellhausen hatte allein auf die kulturhistorischen Momente entscheidenden Wert gelegt. Wenn aber — wie oben gezeigt wurde — biblische und außerbiblische jüdische Tradition prinzipiell als Geschichtsquellen gleichwertig sind, so wird der Schwerpunkt der Frage dahin verschoben, ob — abgesehen von einzelnen Argumenten — die Gesamtauffassung Wellhausens überhaupt möglich ist1). Und niemand wird anstehen, dies nach dem Yorangegangenen vorbehaltlos zu verneinen. Daß die jüdische Tradition von jeher ausnahmslos Mo־ saizität und Einheit des Pentateuchs voraussetzt2), ergibt sich auch aus dem Streite zwischen Pharisäern und Sadduzäern. Die — oft arg umstrittenen — Differenzpunkte erstrecken sich dort auf gewichtige Institutionen, aber stets nur im Rahmen exegetischer Kontroversen über einzelne pentateuchische Vor- Schriften. Die Verbindlichkeit des Schriftwortes wurde aber nie angezweifelt. Dem konnte nicht so sein, falls, wie es die Kritik will, erst kurz vorher die Redaktion des Pentateuchs stattgefunden hätte Eine derartig festverankerte und treu bewahrte Überlieferung wie die Israels 3) konnte nicht urplötzlich נ) So bedeutet auch das lesenswerte Referat G unk eis, Religionsgeschichte u. alttestamentl. Wissenschaft, auf dem 5. Weltkongreß für freies Christentum (Protokolle S. 171 ff.) wenigstens für die Wertung der biblischen Überlieferung einen Wendepunkt. ף Vgl. a. Güdemann a. a. O. S. 189. 3) Man erinnere sich der ergreifenden Worte von Josephus (contra Apionem I 8): ״Und welch' große Glaubwürdigkeit und Vertrauen wir. Juden diesen Büchern unseres eigenen Volkes entgegenbringen, geht daraus evident hervor, daß niemand bisher so kühn gewesen ist, irgendetwas diesen Büchern anzufügen, oder etwas von ihnen zu trennen oder gar irgendwelche Verwechselungen in sie hineinzubringen, obwohl so viele Zeiten über sie hinweggegangen sind; aber es ist gewissermaßen den Juden von der Geburtein