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Jeschurun · 1918-03-01 · Heft 3-4 (März 1918) · p. Seite 223

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 3-4 (März 1918)
Date
1918-03-01
Page
Seite 223 (sequence 91)
Language
German
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Wellhausen und der heutige Stand der Bibel Wissenschaft. 223 Ratgeber der Pharaonen war. Moses an deren Hof erzogen wurde und daß Jethro, ein Repräsentant Südarabiens, Moses zivilprozeßrechtliche Instruktionen gibt, die von diesem treulich befolgt werden?! Den großen Persönlichkeiten, die Israel hervorbrachte und die wir als Träger der Offenbarung be־ zeichnen, dürfte also die Wissenschaft ihrer Zeit kein Ge־ heimnis geblieben sein; sie haben sie eher in sich aufgenommen. (Daher die maimonidische Lehre 1)ל derzufolge nur solche Individuen der profetischen Inspiration teilhaftig werden können welche zuvörderst durch eigene intensive Geistesarbeit den Gipfel der jeweils möglichen wissenschaftlichen Erkenntnis erklommen haben.) Ein Blick auf die anderen orientalischen Religionen vermag mit Leichtigkeit ein weiteres Axiom der Kritik zu zerstören. Wie bekannt, hat die Generation Wellhausens es nicht wahr haben wollen, daß die biblische Geschichtsschreibung, nach welcher Abfall und Rückkehr in einem Volke periodisch ab wechseln, zutrifft. Vielmehr hat man das Verhältnis zwischen den niederen Zügen des Volkslebens und den ihnen diametral entgegengesetzten Lehren der Propheten als zeitlich aufein־ anderfolgend angesehen, wonach der Polytheismus, günstigen־ falls eine Monolatrie (des Volkes) die israelitische Staatsreligion ausgemacht habe 2), aus der in viel späterer Zeit der absolute, ethische und universale Monotheismus sich herausdestillierte. Aber nichts, nichts unwahrer als dies! Das ge־ נ) Moreh Nebuchim II 36. 2) Aus Anlaß einer soeben herausgekommenen Besprechung meiner ״Bibelwissenschaftl. Irrungen“ in der Theol. Literaturzeitung (Febr. 1918, Sp. 49 ff.) bleibt auch neuerdings ein konservativer Gelehrter wie König dabei, es sei also ״von einer Monolatrie und nicht von ״״strengstem Monotheismus““ auf der altprophetischen Stufe der alttestamentliehen Beligion zu sprechen.“ Meine darauf bezügliche Argumentation S. 189 bedarf kaum der ziemlich vorwurfsvollen Belehrung, denn sie hat hauptsächlich den zweiten Schöpfungsbericht Gen. 2,4 ff. im Auge, von dem König doch wohl wissen muß, daß ihn die Kritik dem J zuschreibt. Damit entfallen aber die seinerseits gezogenen Schlüsse. Im übrigen ist hier nicht der Ort, auf die weiteren Bemerkungen einzugehen.

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