Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1918)
- Date
- 1918-03-01
- Page
- Seite 220 (sequence 88)
- Language
- German
- Belongs to
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220 Wellhaus en und der heutige Stand der Bibelwissenschaft. vermochten nicht, ihren Gottheiten eine rohe Körperlichkeit zuzuschreiben; sie verehrten Himmelserscheinungen als Personifikationen der ihnen unfaßbaren kosmischen Kräfte1). Ebensowenig konnte — worauf vor allem Jeremias2) hingewiesen hat — der Boden Palästinas zu der Zeit, in welche die biblische Chronologie das Leben der Patriarchen ansetzt, ein Tummelplatz von Nomaden gewesen sein. Befand sich doch im Norden das straff zentralisierte babylonische Keich, dessen komplizierte Kultur sein uns jetzt erschlossenes Keehtsleben veranschaulicht. Zwischen jenem, sowie der» ägyptischen!Reiche und den kananäischen Kleinstaaten bestanden wiederum im 3. Jahrtausend ante verwickelte politisehe Beziehungen und ein reger Handelsverkehr, wie es die Tel-Amarna-Tafeln gezeigt haben3). Die schon verschiedentlich angeregte Kombination der dort erwähnten Habiruleute mit den Hebräern hat trotz vielfacher Bedenken manches für sich4). Jedenfalls lassen die Klagen kananäischer Fürsten welche über die diesen Habiruleuten gestattete Ansiedlung vor dem Großkönig geführt werden, die staatsrechtliche Bedeutung des Erwerbes der Machpelahöhle seitens des Erzvaters in rechtem Lichte erscheinen: sie geben — wie schon Win ekler5) bemerkt — den Hintergrund für jene langwierigen Kaufverhandlungen Abrahams mit den Hettitern ab. Aus den letzteren ist zu erkennen, daß die Patriarchen nicht, wie noch mancher mißverständlich glaubt, im Lande plan- und ziellos herumtreibende Nomaden, sondern Häupter von Gemein- *) Vgl. Jeremias, Altorient. Geisteskultur bes. S. 227 ff.; Hehn, Biblische und babylonische Gottesidee 1913, sowie Sellin, Alttestamentl.!Religion im Rahmen der andern altorientalischen, 1908, S. 9. 2) Einfluß Babyloniens, S. 11; A. T. i. L. d. a Or., S. 297. 3) Vgl. bes. Winckler, Vorderasien im zweiten Jahrtausend (Mitt. d. Vorderas. Ges. 1913, Nr. 4). *) Dafür Win ekler (-Schräder), Keilinschriften u. A. T.8 S. 196ft.; a. M. Hommel a. a. O. 233. Seine chronologischen Bedenken würden indes zu beheben sein; der von ihm vermutete Ausweg findet eine Parallele in der jüdischen Tradition Ex. rabba 20, 10. 5) Mitt. 1. c. 46 ff.