Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1918)
- Date
- 1918-03-01
- Page
- Seite 212 (sequence 80)
- Language
- German
- Belongs to
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212 Wellhausen und der heutige Stand der Bibel wissenschäft. schein erwecken, sie stünden zur talmudischen Norm in schlagendstem Widerspruch, was sogar bisweilen von konservativen Autoren (Ibn Esra, Kusari) zugegeben wurde. Eine Durcharbeitung der Ausführungen Hoffmanns befestigt 'aber die Überzeugung, daß bei Abstreifung aller ״dogmatischen Befangenheit“ oder — drücken wir uns statt eines Begriffes, der jüdischer Denkart durchaus fremd ist־, deutlicher aus — selbst wenn man dem Talmud die Berechtigung zu authentischer In־ terpretation der Schrift nicht zugestehen sollte, doch die Auffassung der jüdischen Tradition bei der nüchternsten Exegese ausschließlich möglich erscheint. So hält mancher die traditionelle Bestimmung der Omerschwingungszeit für unvereinbar mit dem Passus des ממחרת השבת (am Tage nach dem ״Sabbath״, Lev. 23. 15). Hoffmann hat jedoch in einer Monographie1) überzeugend nachgewiesen, daß die Schrift keinerlei adäquaten Ausdruck besaß, mit dem sie sonst den auf einen ersten Feiertag folgenden Halbfeiertag hätte bezeichnen können. Ähnlich verhält es sich mit dem feiertäglichen Arbeitsverbot (Kommt, z. Lev. II 149 ff), mit der Erklärung des Duals בין הערבים (a. a. 0. II 140 ff), den im Pentateuch verschleierten von Hoffmann aber aufgedeckten Hinweisen auf dem Zusammenhang des Wochenfestes mit dem Feste der Offenbarung (224 ff.) oder mit jener — von Wellhausen ebenfalls geleugneten — Existenz eines Versöhnungs- und Neujahrsfestes im vorexilischen Israel (241 ff.), sowie der Verwendung der Baumfrüchte im Festritus des Laubhüttenfestes (288 ff.)u. v. a. m. Wir haben zuerst an den Arbeiten Hoffmanns ganz allgemein jene Gesichtspunkte hervorgekehrt, welche einen gänzlichen Bruch mit der üblichen Quellenkritik schlechthin bedeuten. Gemeint ist hier die Lehre, daß der Pentateuch überhaupt aus verschiedenen Quellen besteht, welche Wellhausen von seinen Vorgängern übernommen hatte, und also damit insofern auf fremden Schultern steht. b Die Zeit der Omerschwingung u. des Wochenfestes 1874; vgh jetzt Kommt. Lev. II 159 ff.