Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1918)
- Date
- 1918-03-01
- Page
- Seite 211 (sequence 79)
- Language
- German
- Belongs to
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Wellhausen und der heutige Stand der Bibelwissenschaft. 211 Aber es wäre unbillig, an Hoffmanns Arbeit lediglich den Maßstab einer Abwehrschrift zu legen. Schließlich kann auch der Jude, dessen vornehmstes Religionsgebot das Studium seiner heiligen Lehre ist, am wenigsten an den Komplikationen Vorbeigehen, welche der feine, wenn auch oft übertrieben kritische Instinkt Wellhausens oder seiner Arbeitsgenossen aufspürte (umsoweniger, als manche jener Fragen schon vor Jahrhunderten jüdische Kommentatoren wie Ibn Esra, Abarbanel u. a. anschnitten; von der talmudischen Exegetik ganz zu schweigen). So führt gerade eine Analyse der Irrgänge Wellhausens, wie wir es bei Hoffmann erkennen, des öfteren auf die richtige exegetische Fährte. Ohne die große Bedeutung der jüdischen Pentateucherklärer des vergangenen Jahrhunderts — wir denken vor allem einerseits an Malbim, Mecklenburg, Hirsch, von denen besonders der letztere dem modernen glaubensinnig empfindenden jüdische» Gemüt eine stete Quelle der Erbauung bleibt, und andererseits an die historisch-grammatische Exegetik der Luzzatto u. a. — schmälern zu wollen, es fehlte seit den Zeiten der klassischen Bibelexegese des Mittelalters der jüdischen Literatur an einem Kommentar, der die Ergebnisse der orientalistischen Fachwissenschaft in ihrem ganzen Ausmaße dem Verständnis der heil. Schrift dienstbar macht. Diese Lücke füllt — und dazu ganz im Geiste der Thora — Hoffmanns Kommentar aus, dessen Verfasser nicht allein die notwendige philologische Rüstung besitzt, also hierhin gewiß keinem Exegeten nachsteht, sondern dabei einer der hervorragendsten Kenner jenes maris talmudici ist, ein Talmudist ganz im alten Sinne des Wortes. Der glücklichen, so seltenen Verbindung dieser beiden Eigenschäften in einer Person verdankt es Hoffmanns Kommentar, daß er Partien von exegetisch unvergänglichem Werte besitzt. Wir meinen die Erklärung jener Bibelstellen, welche den Annicht einen Weg zeigt, wie das Beanstandete zu vermeiden wäre, dabei sich aber an Ort und Stelle eines gleichen Verstoßes schuldig macht, indem er von ״alten Mephorschim und modernen christlichen Theologen״ spricht, ohne pflichtschuldigst den Atem anzuhalten.