Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1918)
- Date
- 1918-03-01
- Page
- Seite 205 (sequence 73)
- Language
- German
- Belongs to
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Wellhausen und der heutige Stand der Bibel Wissenschaft. 205 noch mosaische Traditionen enthalten. Über die gegenseitige Abgrenzung der Quellen herrschte zwar nichts weniger als Übereinstimmung, und ebenso schwankten die Zeitangaben beträchtlich. Allein, wie wenig eine solche Auffassung sich mit jener von der Einheitlichkeit und Mosaizität des Pentateuch zu decken vermochte, so stimmte doch die damals hieraus gewonnene Anschauung über die Geschichte Israels im wesentlichen noch mit der biblischen Schilderung überein: jedenfalls galt das Gesetz allgemein als Ausgangspunkt der israelitischen Geschichte. Da trat der Umschwung ein. Gerade was man bisher als älteste Schicht angesehen hatte, die priesterliche Grundschritt, wurde bei Wellhausen1) zu einem Produkt der nachexilischen Periode, ein Niederschlag von Gedankengängen der spätpriesterlichen Kaste. Die angebliche Unhistorizität der Angaben von P, dem darob wiederum jede Beweiskraft für die Vorzeit abgesprochen wurde, sollte dies dartun. Die ganze Erzählung vom Stiftszelt und der Wüstenwanderung sei priesterliche Fiktion, bar jeder historischen Reminiszenz. Alles in allem enthalte das gesetzliche Material von P die zurzeit der Restauration getroffenen Maßnahmen, die man um ihnen Autorität zu verleihen, Mose in den Mund gelegt habe. Der Hauptteil dessen also, was dem Juden als schriftliehe Thora gilt, ist nach Wellhausen eine priesterliche Fälschung. Die Folge der Schichten sei nunmehr J, E, D, P. Damit war die israelitische Tradition in Bausch und Bogen verworfen, der ganze Kanon umgestülpt. Nach Wellhausen, dem besonders Stade assistierte, stand kein Mose mit seiner Idealreligion am Anfänge von Israels Geschichte, kämpften Propheten in Wirklichkeit nie gegen einen Abfall des Volkes (trotz aller Leidenschaftlichkeit ihrer Büßpredigten), J) Von Wellhausens Schriften kommen hier besonders in Betracht: Prolegomena z. Gesch. Israels (ich zit. d. 5. Aufl.), Israel, u. jüd. Gesch., Komposition des Hexatenchs; für die spätere Zeit allein: Pharisäer n. Sadducäer 1874. Auf diese wird als ständiger Beleg für die folgende Darstellung verwiesen.