Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1918)
- Date
- 1918-03-01
- Page
- Seite 204 (sequence 72)
- Language
- German
- Belongs to
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204 Wellhausen und der heutige Stand der Bibelwissenschaft. hin ausgesprochen, daß ״die Wissenschaft vom Alten Testament Wellhausen mehr Dank schuldig ist, als sonst einem unter den Lebenden.“ Und wenn Wellhausen auch auf anderen Gebieten (dem der altarabischen Kultur und der Entstehung des Neuen Testaments) nicht wenig produktiv war1), den Stempel seines Schaffens hat er in der israelitischen Literaturgeschichte hinterlassen. Wie selten je hat da Wellhausens Lehre zwei Generationen protestantischer Theologen nahezu fasziniert, sodaß die nach ihm benannte Hypothese sich als allgemeingültiges Ergebnis und seine Schule als die alttestamentliche Wissenschaft schlechthin auszugeben vermochte. Man wird es daher verstehen, daß eine Würdigung der reichen Lebensarbeit des kürzlich verstorbenen Meisters der höheren Kritik sich notwendigerweise zu einer Charakteristik der durch ihn repräsentierten Forschung erweitern muß. Seitdem Astruc (jener Arzt des 18. Jahrh.) in dem abwechselnden Gebrauche der Gottesnamen im Pentateuch den Schlüssel für die Quellenscheidung gefunden zu haben glaubte, befestigte sich schließlich die Lehre, wonach לסPentateuch hauptsächlich aus vier Quellen bestehe: J, der das Tetragramm, E, der den Gottesnamen Elokim verwendet; das völlig getrennte Deuteronomium, D: und endlich die priesterliche Grundschriffc P (der man die übrigbleibenden Teile, also vor allem den Leviticus, sowie die gesetzlichen, die chronologischen, aber auch andere Partien aus den drei weiteren Büchern Moses zuwies) 2). Davon soll das Deuteronomium erst zur Zeit seiner Auffindung während der Regierung des Königs Josias (7. Jahrh. v. d. g. Z.) abgefaßt worden sein, J und E etwa dem 8. Jahrhundert angehören P dagegen sollte weit älter sein und נ) Eine bis 1914 reichende Bibliographie seiner Schriften enthalten die Studien zur semitischen Philologie und Religi onsgeschichte zu Julius Wellhausens 70. Geburtstag (Beiheft 27 zur Zeitschrift für die alttestamentliche Wissenschaft) S. 353 ff. 2) Einen Überblick über die Geschichte der Pentateuchkritik bieten die Einleitungswerke, wo auch die Literaturangaben; vgl. bes. Steuernagel, Einl. i. d. Alte Testament, S. 123 ff.