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Jeschurun · 1918-03-01 · Heft 3-4 (März 1918) · p. Seite 191

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 3-4 (März 1918)
Date
1918-03-01
Page
Seite 191 (sequence 59)
Language
German
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Erschaffung. Entstehung, Entwickelung. werden. Vielleicht ist diese Sonderstellung des Menschen für Wallace, den Freund und Mitkämpfer Darwins, bestimmend gewesen, für den Menschen, die Möglichkeit einer gesonderten Erschaffung zuzugeben. Wir aber folgern wohl nicht mit Unrecht, daß durch diese Einräumung die Deszendenztheorie wieder einen Posten eingebüßt hat1)• Wiesners Bestreben ist jedenfalls ebenso abzulehnen wie Darwins Versuch, die Sittlichkeit phylogenetisch abzuleiten. Von diesem unterscheidet sich Wiesners Standpunkt weniger, als er meint. — Die eigenartige Gesetzmäßigkeit der Ethik findet z. B. auch darin ihren Ausdruck, daß sie nicht selten Naturgeschehen bekämpft und aufhebt. Die Unterstützung von Bedürftigen und die Krankenpflege sind dem Kampf ums Dasein, der fraglos in der Natur wirksam ist, entgegengerichtet. Die Natur treibt bis zu einem gewissen Grad ״fit selection“, unserem Wirken sind oft andere Wege gewiesen2). Bei Driesch (im Sammelwerk: Weltanschauung usw. s. o.) findet sich folgender Passus: ״Mit der Vollendung dieses Zieles (das die Ethik kennzeichnet) fällt die Ethik, sie wird gegenstandslos. Der ethische Zustand der Glieder des Ganzen im Zustand seiner Vollendung ist Heiligkeit.“ Wiesner bemerkt hierzu, daß diese zuletzt vorgebrachte metaphysische Ausdeutung der Entwicklung (״Heiligkeit*) kaum die Zustimmung anderer Evolutionisten finden dürfte. Hierzu will ich folgendes äußern: der Vordersatz in Drieschs These kann angefochten werden. Es ist wohl nicht ganz korrekt ausgedrückt, daß im Stadium der Vollendung die Ethik hinfällig wird. Es soll wohl heißen: der Anreiz zur Unsittlichkeit fehlt dann, es ist gewissermaßen kein Gefälle, keine Möglichkeit zur verwerflichen Tat oder Gesinnung vorhanden. Aus der Forderung ist das Sittengesetz in das Stadium der Erfüllung A) So muß auch nach Johannsen allgemeine Biologie (Kult. d. Ggw. L»pz. 1915) die Präge der Abstammung überhaupt als eine offene angesehen werden. *) Dieser Gedankengang, den ich früher bereits niedergeschrieben, findet sich ähnlich bei Huxley (Essays).

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