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Jeschurun · 1918-03-01 · Heft 3-4 (März 1918) · p. Seite 190

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 3-4 (März 1918)
Date
1918-03-01
Page
Seite 190 (sequence 58)
Language
German
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190 Erschaffung, Entstehung, Entwickelung. die Preisgabe des Weibes an den Gast nicht als Erniedrigung״ des Weibes sondern als Erhöhung der gastfreundlichen Leistung gedacht; bei ihnen ist wohl die Idee der Verpflichtung zur Gastfreundschaft nicht aber das Verständnis für sexuelle Sittsamkeit erwacht. Zu den Charakteristiken des Entwicklungsmäßigen in der Ethik gehört auch das. was man den Konflikt der Pflichten nennt.1) Mit Recht hebt Driesch hervor, daß in einem vollendeten System der Ethik der Konflikt keinDaseinsrecht hat. Haben wir erst die vollendete Kenntnis der ethischen Gesetzmäßigkeit, so kann in einem Falle, wo zwei sittliche Forderungen scheinbar ״kollidieren“. kein Zweifel bestehen, daß nur die eine Anspruch auf Erfüllung hat. Man könnte deshalb das Verhalten Lots (Genesis. Cap. XIX, 7) der, um einer sittlichen* Pflicht, der Gastfreundschaft, zu genügen, eine andere — den Schutz der Ehre seiner Töchter opfern will, nur dann als ״sittliehe Tat“ ansprechen, wenn man sie als eine einer älteren niederen ethischen Epoche angehörig betrachtete. Doch können ihm, da er offenbar sich des Kaufspreises bewußt ist, selbst vom Standpunkt des Zeitgenossen, sicher aber von der Warte jüdischer Sittenlehre, die in grauer historischer Zeit als ein vollkommenes System Israel als ein göttliches Geschenk gegeben ward, Vorwürfe nicht erspart werden. Wie ich schon andeutete, ist die Hj^pothese Wiesners vom Entstehen sittlicher Impulse in der Organismenreihe, das mit dem Sprung in der Entwickelung verständlich gemacht werden soll, absolut zu verwerfen. Sie ist, wenn wir recht erkennen, ein verhüllter Versuch, die Deszendenztheorie zu retten. Denn das ist nicht zuviel behauptet: der Umstand, daß wohl nur der Mensch ein sittliches Geschöpf ist. bedeutet ein schwerwiegendes Argument gegen jede transformistische (phylog.) Theorie, mindestens aber gegen die beliebte Lehre von der Abstammung des Menschen. Weil die Ethik eigenen Gesetzen folgt, also nicht ableitbar aus niederen Gesetzmäßigkeiten ist, kann sie nicht als Synthese biologischer Eigenschaften aufgefaßt ) S. hierzu Driesch, Leib u. Seele, Lpz. 1916.

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