Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1918)
- Date
- 1918-03-01
- Page
- Seite 188 (sequence 56)
- Language
- German
- Belongs to
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188 Erschaffung, Entstehung, Entwickelung. um dieses Strebens nach Einfachheit und Homogenität willen den Dingen Gewalt antun. Auf der anderen Seite wird eine restlose Auflösung des Freiheitsbegriffs auch kaum je möglich sein, da er uns nur in seinen Auswirkungen hin und wieder entgegentritt. Nur von ״oben her“, von der beherrschenden Kenntnis des Geschehens, der Tendenz und des Zieles aus, also dem Weltenmeister, ist diese Analyse möglich1). Für die jüdische Auffassung wird die Erreichung des historischen Zieles endlich noch in hohem Maße durch die regulativ• Leistung der השגחה gewährleistet, (die natürlich auch der Realisierung anderer Pläne dient). Da dieser Begriff gewiß nicht der Evolutionstheorie zuliebe erfunden ist, kann er um so mehr zu einer Stütze eines in seinem Ende festgelegten Systems werden. Auf die vielen Schwierigkeiten, die in einer religiösen Theorie der Geschichte liegen, kann hier nicht näher eingegangen werden. Worauf es hier ankommt, ist zu ermitteln, ob unser Schrifttum Indizien für eine Zielstrebigkeit beibringt. Daran ist nach den Prophetien eines Jesaja (Cap. 2) und Micha (Cap. 4) nicht zu zweifeln. Und nicht nur die Tatsache, sondern auch die Besonderheit dieses אחריה הימים ist mitgeteilt, wofür neben den zitierten Stellen noch Jesaja (Kap. XI, 1—10) wertvolles Detail liefert. In den nunmehr folgenden Bemerkungen zum Kapitel ״Die Ethik als Entwickelung“ kann es sich wiederum nur um J) Uns, die die Ueberzeugung der geoffenbarten Lehre haben, geben die Mitteilungen der Thora demnach wertvolle Aufklärungen über vieles, was die Induktion uns nicht zugänglich macht. Diesen Gedanken will ich bei anderer Gelegenheit eingehender untersuchen; er läßt sich frappant mit Beispielen aus der hebräischen Literatur z. B. der Kabbalah belegen, die naturwissenschaftliche Mitteilungen in deutlichen Worten vermittelt, deren Kenntnis erst die moderne induktive Forschung uns gegeben; z. B. die Tatsache, daß die beiden Großhirnhemisphären ungleichwertig in funktioneller Hinsicht sind, bringt bereits der Ez Chajint (cit. nach A. Marcus Barsilai). Die Naturwissenschaft kennt diese Tat- Sache erst, seit Broca das Krankheitsbild der Aphasie, beschrieben hat, (Unfähigkeit, ein Wort, dessen Sinn man erfaßt, auszusprechen) die in einer Erkrankung der 3. linken Stirnhimwindung besteht bei Linkshändem rechts!