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Jeschurun · 1918-03-01 · Heft 3-4 (März 1918) · p. Seite 184

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 3-4 (März 1918)
Date
1918-03-01
Page
Seite 184 (sequence 52)
Language
German
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184 Erschaffung, Entstehung, Entwickelung. auf Evolutionskorrelationen (s. 0.) zu sein; ich halte dies Wort für eine glückliche Formulierung. Wie aus meinem Referat hervorgeht, folgt Wiesner Lamprecht ziemlich unentwegt, nur daß er den Scheinentwicklungen einen breiteren Raum zumißt und gerade in den rein politischen Daten der Geschichte Kumulationen erkennt. Einen wertvollen Beweis für die Richtigkeit der Lamprechtschen Darstellung will Wiesner in der gesetzmäßigen Aufeinanderfolge der Kulturepochen sehen, die nach Lamprecht in Art und Folge bei den verschiedenen Nationen auch zu verschiedenen Zeiten die gleichen sind. Hier ist m. E. Vorsicht geboten. Denn wie Driesch mit Recht betont, (ich besinne mich aus Drieschs Vorlesungen auf diesen Unterschied, kann aber z. Z.. nicht an geben, ob und wo er sich in seinen Schriften findet), würde dies nur Gesetze in der Geschichte, nicht aber die Geschichte als Gesetz erweisen. Daß ein gleiches primitives Stadium bei zwei Völkern auch zu versehiedenen Zeiten das gleiche nächst höhere im Gefolge hat, ist für den kausal Denkenden nicht allzu überraschend, wenn es auch nicht selb verständlich ist. Es kommt noch eines hinzu: wenn in einer Epoche der Geschichte ein und dieselbe Idee bei einer Reihe von Nationen alles staatliche Leben zu beherrschen beginnt z. B. der Nationalismus des 19. Jahrhunderts, so liegt dieser Erscheinung auch viel Exogenes zugrunde: bewußte Nachahmung der Haltung eines Volkes durch ein anderes kann eine auf inneren Po 1■ ״m beruhende Entfaltung Vortäuschen. Dafür bietet, glaube ich, die Geschichte unserer Tage Beispiele genug. Und es erscheint mir weiter fraglich, ob der Sprung in der Entwicklung, der das plötzliche Einsetzen neuer Perioden mit neuen Gedanken erklären soll, so leicht zugunsten der Evolution geltend gemacht werden kann. Jedenfalls lösen die Evolutionisten weder für die Stammesentwicklung der Tierwelt noch für die geschichtliche ihre Aufgabe, wenn sie sich mit der Einführung eines neuen Terminus technicus begnügen. Ihre Aufgabe ist es vielmehr, die Möglichkeit des Sprunges nachzuweisen und darzutun, wie er sich logisch in den Entwicklungsbegriff einfügen läßt.

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