Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1918)
- Date
- 1918-03-01
- Page
- Seite 156 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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156 Zionismus, Nationaljudeutum und gesetzestreues Judentum. Da ist zuerst die Prinzipienfrage, die wir genug erörtert zu haben glauben. Wir sind die letzten, die dort, wo es sich um Daseinsfragen des Judentums handelt, aus ״Yerneinungsfanatismus“ auf ihre Prinzipien sich zurückziehen. Aber hier handelt es sich nicht um ein Prinzip, sondern um das Prinzip, um den Urgrund der Seins oder Nichtseins des Judentums. Bedeutete es nicht ein Bekenntnis zum Nationaljudentum, nicht wie ich es in mir trage, sondern wie es in der rezipierten Anschauung aller öffentlicher Vertreter sich kundgibt, ich würde mich schwerlich besinnen, den Schekel zu zahle* oder nach all meinen Kräften dem Nationalfonds zu steuern. Wie stellt sich Herr Dr. Unna eigentlich dies Opfer des Intellekts, das noch mehr, das ein Opfer des Glaubens ist, vor‘? Wie kann er es denen zumuten, die gewöhnt und vor allem auch dazu berufen sind, in geschlossener, widerspruchsloser Gedankenentwickelung die Grundlagen des Judentums zu künden? Aber ich will von der Prinzipienfrage absehen. Echte Jehudim sind als Misrachisten dem Zionismus beigetreten mit dem Vorbehalt, als seine Grundlage das Nationaljudentum nur so anzuerkennen, wie sie es auffassen. Ich möchte die psychologischen Gefahren, die aus dem Nationaljudentum für das gesetzestreue Judentum und vor allem für seine Jugend erwachsen, hervorheben. Es gibt nur zwei Gruppen von Jünglingen, denen der innere religiöse Zwiespalt erspart bleibt. Die eine, das ist die der Erwählten, der mystisch Veranlagten, das Wort mystisch in dem edelsten Sinne des Wortes, derjenigen, deren Innenleben ein wunderbares Band mit dem Göttlichen verbindet als Erbe eines von Gott gesegneten Ahnen, und die andere ist die der geistig Beschränkten oder religiös Indifferenten. In der Seele jedes seelisch normalen geistig regsamen und strebsamen jungen Menschen taucht einmal mit unwiderstehlicher Kraft das Verlangen auf, seinen religiösen Besitzstand vor den Richterstuhl seines Denkens und Fühlens zu fordern. Jeder Erzieher weiß, daß wenn diese kritische Zeit gekommen,