Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1918)
- Date
- 1918-03-01
- Page
- Seite 151 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2292929-2292980-2292983--02712-2295984- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Zionismus, Nationaljudentum und gesetzestreues Judentum. 5 ץ! welch mangelndes Verständnis diese Ausführungen selbst bei einem so klardenkenden und besonnenen Manne, wie es unser geseh. Mitarbeiter Dr. Blau ist, stoßen. In seinem Aufsatz ״Religiöse und nationale Erziehung“ 1) sagt er: ,.Es ist falsche Vorsicht von den Gesetzestreuen, ob des heißspornigen Gebarens eines Häufleins zionistischer Neuerer oder ausgesprochener Atheisten der großen Idee des Zionismus für immer den Rücken zu kehren. Der Zionismus müßte keine Volksbewegung sein, wenn er die Zugehörigkeit seiner Mitglieder von einem religiösen Parteibekenntnis abhängig machen wollte. Kein positiv denkender Mensch, Jude oder Nichtjude, wird Bedenken tragen, sich der Sozialistenpartei anzuschließen, nur weil einer der Programmpunkte der Sozialdemokratie Religion als Privatsache erklärt.״ Und Dr. Blau sieht nicht, daß er in diesen Sätzen selbst am deutlichsten eine Anschauung zum Ausdruck gebracht hat, auf Grund deren wir ihm nur die Alternative stellen können, daß er kein rechter National- oder kein thoratreuer Jude genannt werden kann. Es ist eben nicht der Ausfluß des heißspornigen Gebarens einzelner, sondern die eiserne Konsequenz ״der großen Idee des Zionismus“, daß die Religion nur eine unter den Funktionen der Volksseele genannt werden kann und daß sie sich mit der Entwicklung des Volkslebens wandeln muß. Ganz abgesehen davon, daß alle, alle nationaljüdischen Schriftsteiler von Bedeutung dieser Meinung sind und nicht etwa einzelne Heißsporne. Der Misrachismus ist genau so wie die Vereinigung der Poale Zion dazu verurteilt, eine Fraktion innerhalb des Zionismus zu sein, die das Nationale durchaus als das Primäre und die Religion als das Sekundäre anzuerkennen hat, wie ih*!: das übrigens ausdrücklich von zionistischer Seite vorgeschrieben wird 2). Er kann seinem inneren Wesen nach nie darauf Anspruch machen, dem Nationaljudentum die Richtung zu weisen. Denn dies würde sich selbst aufgeben, wenn es auch nur die Gleichsetzung von Nation und Religion anerkennen würde. Jude-Sein als Nationaljude ist eben ein י) oben S. 109. 2) ״Der Jude״ II S. 229. 11*