Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1918)
- Date
- 1918-03-01
- Page
- Seite 150 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2292929-2292980-2292983--02711-2295983- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
IjO Zionismus, Nationaljudentum und gesetzestreues Judentum. Bekenntnis“ nur konsequent. Und aus dem Bekenntnis zum Nationaljudentum folgt mit unerbittlicher Konsequenz diese Überzeugung. Wohl wissen wir, daß viele Nationaljuden diese Konsequenz nicht ziehen wollen, daß auch für sie die Religion ein außerordentlich wertvolles Moment ausmacht. Ist sie doch gerade das charakteristische Spezifikum der jüdischen Volksseele: ״die Produktivität in religiösen Offenbarungen für die Menschheit“. Und ist doch, da Sitten und Gebräuche und vor allem die Literatur eines Volkes seiner nationalen Eigenart das Gepräge geben und in der dreitausendjährigen Geschichte des Judentums die Sitten und Gebräuche und die Literaturerzeugnisse untrennbar mit der Religion verknüpft waren, ja in erster Reihe durch die Religion geschaffen wurden, ist es doch da auch für den Nationaljuden von unendlichem Wert, diese national-religiösen Traditionen sorgsam zu pflegen. Aber die Religion ist nur ein Faktor unter anderen. Die Aufgabe des Nationaljudentums ist es ja, das Gefühl für die Blutsverwandtschaft zu stärken, sein praktisches Ideal, die politische Selbständigkeit zu erringen. Dieser Aufgabe, diesem Ideal ist alles andere unterzuordnen. Es ist wünschenswert und es ist wahrscheinlich, daß den Forderungen des geschiehtliehen Judentums die entsprechende Berücksichtigung gewährt wird — die um Klatzkin werden sich auch dem widersetzen —, aber ein Widerspruch in sich, daß die Idee des geschichtlichen Judentums — und das ist für uns immer das gesetzestreue Judentum — als beherrschendes Prinzip Geltung erlangen sollte. Die jüdische Nation und der jüdische Staat sind Selbstzweck, die Religion ihrer Bürger eine Aufgabe unter anderen Aufgaben von Nation und Staat. Wenn eine Einheitsreligion nicht zu erzielen ist, so erfolgt auch im jüdischen Staat die moderne Lösung: Völlige Trennung von Staat und Kirche. Das ist so oft schon gesagt worden, auch von mir und zuletzt erst in dieser Zeitschrift in ähnlichen Wendungen von Dr. Unna und Abuha di Samuel, daß es mir widerstrebt, noch länger dabei zu verweilen. Aber es ist leider nötig, das trivial Gewordene immer noch einmal zu sagen, wenn man sieht, auf