Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1918)
- Date
- 1918-03-01
- Page
- Seite 148 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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148 Zionismus, Nationaljudentum und gesetzestreues Judentum. tionalen, aber er gibt nicht Definitionen, sondern setzt das Sondersein der Judenheit und des Judentums als gegeben voraus, und die Sorge um die Erhaltung dieses Sonderseins ist der eigentliche Quell seines glühenden politisch-nationalen Empfindens. Mit seiner Auffassung des Nationaljudentums könnten wir uns noch am ehesten befreunden, wenn sie nicht unter der Herrschaft des Evolutionsgedankens stände und darum, wie wir das ausführlich an anderer Stelle1) gezeigt, nicht minder von uns abgelehnt werden muhte. In allen erwähnten Anschauungen birgt sich, wie schon gesagt, ein Wahrheitskern. Daß für das nationale Empfinden der gemeinsame Feind ein wesentliches Kriterium ist, haben wir ja im Weltkriege erfahren. Von einem Patriotismus, der nicht bloß für den Feiertag hervorgeholt wurde, war in Deutsch־ land z. B. vor dem Kriege wenig zu spüren. Der Deutsche in hoher sozialer Stellung fühlte sich mit dem einer anderen Nation Angehörigen gleichen Standes viel näher verwandt als mit dem Bauer und Arbeiter seines eigenen Volkes. Die gemeinsame Gefahr brachte in den meisten erst das Nationalgefühl zum Erwachen. Und auch der Willensentschluß zur nationalen Zugehörigkeit, der bei Herzl eine solche Rolle spielt und über den Birnbaum die Schale seines Spottes ausgießt2), kann von entscheidender Bedeutung werden, wenn er nur stark genug ist, nicht nui* Gesinnung zu bleiben, sondern sich in Taten umzusetzen. Nicht minder hat Birnbaum recht, wenn er die Ostjudenheit als ein Volkstum anspricht, das alle Züge einer nationalen Einheit trägt. Sie hebt sich so sehr von ihrer Umgebung ab, sie hat in ihrem Jüdisch-Deutsch ein so starkes Mittel, das Gemeinschaftsgefühl zu pflegen, und sie wurde durch den äußeren Druck so sehr zu einer in sich geschlossenen Gruppe, daß man ihr das nationale Sein nicht absprechen kann. Und Achad Haams Sorge um die Erhaltung des Judentums ist auch unsere Sorge. Daß wir seine Furcht vor der ב) Jeschurun III. Jahrgang Heft 11. -) Vgl. oben S. 11.