Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1918)
- Date
- 1918-03-01
- Page
- Seite 147 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2292929-2292980-2292983--02708-2295980- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Zionismus, Nationaljudentum und gesetzestreues Judentum. 14.7 Sein bedeutet nicht ein religiöses oder ethisches Bekenntnis“ die Grundlage alles jüdischen Volkslebens in Vergangenheit und Gegenwart auf hebt?1) Aber wir tun Herzl und Klatzkin unrecht. Sie wollen in Wahrheit ja gar nicht das Vergangene und Gegenwärtige beschreiben, sondern Richtlinien für die Zukunft geben. Sie wollen in Wirklichkeit nicht sagen, was Judentum und Judenheit war und ist, sondern was es werden soll. Eine Nationnach Herzl schon allein durch den Wiliensentschluß, nach Klatzkin durch die Schöpfung des Territoriums und der Sprache unter Abstoßung aller — beinahe hätten wir gesagt Andersgläubigen. Birnbaum steht schon viel mehr auf dem Boden der Wirklichkeit. Nur, daß wie seine praktische Arbeit so auch seine theoretischen Auseinandersetzungen recht eigentlich nur dem Ostjudentum gelten. So schaltet e^ die Westjudenheit, die doch in der zionistischen Bewegung eine führende Rolle spielt, einfach aus. Er konnte sie auch nicht gut brauchen, da er im Jüdisch-Deutsch ein nationales Kriterium sieht und aus ihm die Forderung der nationalen Autonomie in erster Reihe ableitet. Es ist ein Abfall von seiner Grundidee des Nationaljudentums, wenn er es ausspricht, daß das westeuropäische Judentum darum doch nicht aufgegeben zu werden braucht und wenn er ״auch Assimilanten, deren jüdischer Wesensteil die Tendenz hat, sich zu vergrößern und zu vertiefen“ Anteil haben läßt an dem jüdischen Nationalgedanken. Wenn auch diesem ״Abfall“ der richtige Gedanke zugrunde liegt, daß es nicht gut angängig ist, aus dem Nationaljudentum eine an Zahl nicht unbedeutende, aber vor allem durch ihre soziale Stellung und Teilnahme an der Menschheitskultur gewichtige Gruppe der Judenheit auszuschließen. AckadHaam ist auch hier der besonnenste. Meines Wissens macht er nirgends den Versuch, sich mit Wortgespenstern herumzuschlagen. Er spricht, wie selbstverständlich, stets vom Na- 1j Vgl. oben S. 25—30.