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Jeschurun · 1918-03-01 · Heft 3-4 (März 1918) · p. Seite 141

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 3-4 (März 1918)
Date
1918-03-01
Page
Seite 141 (sequence 9)
Language
German
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Zionismus, Nationaljudentum und gesetzestreues Judentum.!4! wie die Bezeichnung ״orthodoxes Judentum“ 1). daß diese Charakterisierung nun zu der Auffassung von einer ״Beligionsnation״ führt, die das ״Gesetz“ als einzig nationales Kriterium anspricht. Das ist die Auffassung jener, die in dem Jahrtausend der vorexilischen Geschichte Israels die individuelle religiöse Empfindung und Betätigung aus schalten und grundlegenden Gedanken und Empfindungskomplexen des Judentums, die nach ״der Anschauung der Uberlieferungstreuen einen wesentlichen Bestandteil der Offenbarungsreligion ausmachen, ihr hohes Alter absprechen. Sie seien alle erst entstanden, als das nationale Band gelockert und das Bewußtsein geschwunden war, daß Israel eine in sich geschlossene Einheit ist. Ursprunglieh״ war, so besagt jene Auffassung, der Gott Israels nur eine Nationalgottheit, mit dem Aufkommen des Individualismus, des Bewußtseins von dem Werte der Einzelpersönlichkeit, entfaltet sich erst die Entwickelung zum universalistischen Monotheismus. Ferner: Im Besitze seiner staatlichen Unabhängigkeit glücklich, kam dem Volke und seinen geistigen Führern nie der Gedanke an messianische, weltumspannende Zukunftshoffnungen. Diese sind erst entstanden in der Not der Zeit- Verhältnisse, da der selbstsichere Stolz auf den eigenen nationaien Wert gesunken: die Träume über den ewigen Frieden sind so nur der Ausdruck politischer Schwäche. Weiter: Der Unsterblichkeitsglaube ist ganz jungen Datums, als in dem Individuum das Sehnen nach persönlicher Fortdauer erwachte. Zur Zeit des starken Nationalbewußtseins kam dem Einzelnen gar nicht dies Verlangen. War doch die Unsterblichkeit in der Unvergänglichkeit des Volkes gegeben. Endlich: Auch Schuld und Sühne wurden früher als nationale empfunden; alle Vorstellungen, die uns in der nachexilischen Literatur über diese für das Judentum so bedeutsamen Begriffe begegnen, sind nur aus der erhöhten Bedeutung zu erklären, die das Einzel-Ich jetzt gewonnen hat. Und die Theodicee, die gött- ף Vgl. dazu Näheres in meinem Beitrag ״Etwas über die Termini: ״Orthodoxes und gesetzestreues Judentum“ in der Hoffmann - Festschrift S. 435—453.

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