Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1918)
- Date
- 1918-03-01
- Page
- Seite 139 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Zionismus, Nationaljudentum und gesetzestreues Judentum. 139 bar ist. ewig wie der ewige Gott. Es kann bis auf einen kleinen Rest vernichtet werden, aber dieser kleine Rest ist ein heiliger Same, der wieder zu einem großen Volke wird. Denn nicht einzelne Menschen, nur ein Volk kann die Aufgabe lösen, die Gott der Welt gestellt. Als nach der Sünde des goldenen Kalbes Gott zu Mosche spricht: ״Ich will sie vertilgen,“ so fügt er sofort hinzu: ״Und dich zu einem großen Volke machen.“ Denn nur ein Volk kann Muster und Vorbild für die Völker sein. Der Universalismus, das ist die Überzeugung des thoratreuen Judentums, das die Thora so nimmt, wie sie sich gibt, als den Anfang unseres heiligen Schrifttums und nicht als den Abschluß, steht an der Wiege der jüdischen Geschichte. Ein Reich von Priestern setzt Reiche der Laien voraus, die es die Wege Gottes lehren soll. Die Mission des Judentums als vornehmliche Aufgabe und einziger Zweck des Exils ist freilich eine Erfindung der Reformer. Der berufenste Interpret des Judentums, das Judentum selbst hat jedenfalls während der fast zweitausendjährigen Periode seines letzten, jetzigen Exils diese Mission als Aufgabe des Exils weder erkannt noch mit Bewußtsein geübt. Ob aus der Geschichte der Diaspora freilich nicht objektiv eine Missionstätigkeit des Judentums abzulesen ist, ob ihr Einfluß auf die Völker nicht tief und umfassend gewesen ist, ist eine andere * Frage, die auch zionistische Schriftsteller bejahen1) und die wir, die wir in der Geschichte überall das Walten Gottes um Israels willen sehen, sicher nicht verneinen werden. Aber das Exil ist für uns und für das Bewußtsein des geschichtlichen Judentums in erster Reihe eine Zeit des Prüfungsleidens, der eiserne Schmeiztiegel, in dem wir wie in Ägypten und Babylon zum Gottesvolk umgeschmolzen werden sollen. Dies Gottesvolk geht dann freilich, und das allein ist auch der Sinn aller universalistischen Prophetenworte nicht unter die Völker, um ihnen zu predigen, *) Vgl. die ausgezeichnete, auch im Jeschurun III, Heft 7 ausführ־ lieh gewürdigte Schrift von N. Goldmann: Von der weltkulturellen Be־ deutung und Aufgabe des Judentums.