Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 129 (sequence 129)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2292929-2292980-2292982--02689-2295960- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Literarische Notizen. 129 Literarische Notizen von Rektor Dr. D. Hoffmann. XIII. Im Sifre Deut. Piska 17 heißt es: Die im Deut. 1,17 befindliche Ermahnung: ״Ihr sollt kein Ansehen der Person beim Gerichte achten״ ist an denjenigen gerichtet, dem es obliegt, die Richter einzusetzen. Du wirst vielleicht sagen: Jener Mann ist schön, den will ich zum Richter ernennen; der ist mein Verwandter, ich will ihn zum Richter machen; jener hat mir Geld geliehen, jener versteht alle Sprachen, ich will ihn zum Richter ernennen; — solche Richter würden aus Unkenntnis des Gesetzes den Unschuldigen verurteilen und den Schuldigen freisprechen usw. Den Sinn dieses Gesetze gibt Maimonides im Sepher Hamizwoth (Verbot 284) richtig mit den Worten: ״Man darf nicht einen Mann zum Richter ernennen, der nicht ein Weiser ist in der Thora-Wissenschaft, wegen irgendwelcher anderen Vorzüge, die er besitzt.“ Dieses Verbot hat auch Maimonides in seinem Codex, H. Synhedrin 3,8 als Halacha aufgestellt. Ebenso entscheidet auch der Schulchan Aruch (Ch. M. 8,1). Betrachtet man aber nach dieser Auffassung die Beispiele des Sifre, so wird man nicht wenig erstaunen, unter den Vorzügen, wegen derer ein Mann besonders zum Richter geeignet sein soll, auch den zu finden, den der Satz: ״jener Mann hat mir Geld geliehen44 (איש פלוני הלוני ממון) enthält. Dies hat das Münchener Manuskr. des Sepher Ham., das von Dr. Heller im Jahre 1914 herausgegeben wurde, damit verbessern wollen, daß es im Sifre anstatt der obigen Worte: איש פלוני בעל ממון (jener Mann ist ein Geldbesitzer) gesetzt hat. Das ist allerdings ein Vorzug, der den Richter unabhängig und unbestechlich macht, wofür unsere Weisen aber kurz עשיר gesagt hätten. Rab. David Pardo in seinem Kommentar zum Sifre findet es überhaupt aufiällig, daß jemand wegen eines ihm gewährten Darlehens einen zum Richter ernennen will, da dies doch — schon als רבית מאוחרת verboten ist. Er will nun 9