Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 128 (sequence 128)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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128 Mendele mochei sephorim. ihren Schönheiten, wie sie das jüdische Auge sieht und empfindet. Das geistige Werden der Kinder, aber auch ihre Ungezogenheiten und Bubenstreiche werden uns gezeigt. Das sind noch alles Sonnenseiten des Buches, alle Tragik bestrahlt und gemildert von einem sonnigen Humor. Die Schatten zeigen uns die Gefahren, die dieser Jugend drohen, drohen vom Wolf im Schafgewand, von den „schönen Juden mit langen Bärten“, die unter dieser Jugend Opfer suchen für ihr schändliches Gewerbe, die diese Knaben verkaufen an Klöster und Kadettenanstalten, und auch vor den Türen der Mädchenhändler macht der Verfasser nicht Halt; die ganze Schändlichkeit, den beschämenden Jammer läßt er uns empfinden und schreit mit Gewalt: „Du auserlesenes Volk, wie kannst Du diese Individuen in deiner Mitte dulden?“ — „Frischke der Krummer“, das Lebensbild der Bettler und Schnorrer, ein Buch, das uns erzählt vom Schlamm, von den finstersten Tiefen jüdischen Lebens, aber uns auch köstliche Perlen in diesem Schlamm finden läßt. „Massoauss binjomin haselilischi“, ein Buch vom Wandern und von Wundern, wie sie eben nur Binjamin und Senderle aus dem jüdischen Dorf zustoßen können. In jedem neuen Buch ein neues Problem, jede Zeile geschrieben mit jüdischem Herzblut, aber auch mit dem nicht zu unterdrückenden, lebenserhaltenden Humor und der Hoffnung auf kommende bessere Zeiten, ein Ausdruck der Liebe, der väterlichen Sorge, des „Seiden’s“ Stolz auf seine, das ganze jüdische Volk umfassende Enkelsehar. 73216080^049