Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 126 (sequence 126)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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126 Mendele moclier sephorim. H. A. Lorentz, der der Relativitätstheorie formal-mathematisch sehr nahe gekommen ist, aber den entscheidenden gedanklichen Schritt nicht getan hat). Das überlieferte Judentum, weit entfernt in solchen geistigen Umwälzungen eine Antastung seiner Lehre zu sehen, blickt vielmehr bei solchem Anlaß gleichzeitig mit Stolz und Bescheidenheit auf die großen und doch so begrenzten Fähigkeiten, die Gott dem Menschengeist verliehen hat. Mendeie mocher sephorim von H. S. Sch. J. Abramowitsch, der Senior der jüdischen Schriftsteller ist nicht mehr. Anfangs Dezember ist der über 80jährige in Rußland verschieden. Die jüdischen Zeitungen widmen ihm, dem „Seide“, wie ihn verehrende Liebe genannt hat, dem Großvater der gesamten russischen, polnischen, litauischen Judenheit rührende Nachrufe; Trauerversammlungen in allen größeren Städten ehren das Andenken des wärmsten Freundes, des unermüdlichen Verteidigers aller sozialen Schichten, aller positiv jüdischen Richtungen des Ostjudentums. Seit mehr als 60 Jahren haben Mendeles Schriften der jüdischen Literatur das Gepräge gegeben, haben in ihrer ganz einzigartigen, rein ostjüdischen Form ein Novum geschaffen, wert und wohl auch schon gewertet, in einer Reihe mit den Großen der übrigen Weltliteratur genannt zu werden. Und für uns ein unerschöpflicher Schatz, ein untrüglicher Wegweiser, eine Leuchte auf dem Weg zum Herzen unserer Brüder im Osten. Kein Problem der Ostjudenfrage, das er nicht durchdacht hat und uns in seinen Schriften durchleben läßt, kein Schatten, den er nicht zu erhellen sich bemüht, kein noch so geheimer Krebsschaden, dem er nicht mit scharfer Sonde zu Leibe rückt, aber auch kein Stand so gering, kein Milieu so niedrig, daß er ihm nicht sein liebendes Vaterherz, sein erbarmendes Wort, seinen liebkosenden, tröstenden Humor gewidmet hätte. Gilt