Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 124 (sequence 124)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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124 Mathematik und Apologie. benen Minkowski ist seitdem, unter besonders fruchtbarer Mitarbeit Einsteins selber, das heute schon imposante Gebäude der Relativitätstheorie entstanden, in dem u. a. auch das alte, bis vor kurzem fast unangreifbar scheinende Problem der Gravitation seinen Platz zu finden scheint. Unter den Ergebnissen dieser Theorie seien hier nur einige besonders wichtige und überraschende ohne nähere Beleuchtung kurz angeführt. Eine vom Raum unabhängige, „absolute“ Zeit oder der Begriff absoluter Gleichzeitigkeit existieren nicht; von zwei Beobachtern, die relativ zueinander in Bewegung sind hat jeder seine besondere Zeit, und zwei Ereignisse, die für den einen von ihnen gleichzeitig sind, sind es nicht für den anderen. Auch die Raummessung, z. B. die Messung einer Entfernung, ergibt für relativ zueinander bewegte Beobachter verschiedene Ergebnisse; wenn z. B. ein Fußgänger und ein Radfahrer, die mit gleichen Abzügen desselben Normalmaßstabes versehen sind, auf ihrem Weg die nämliche Strecke ihrer Straße messen, so erhalten sie dafür verschiedene Werte. Es gibt im Weltall eine größte Geschwindigkeit, die Lichtgeschwindigkeit c, und es kann keine sie übersteigende Geschwindigkeit gefunden werden; auch durch gleichsinnige Zusammensetzung zweier Geschwindigkeiten, die beide sehr groß sind, läßt sich keine Überlichtgeschwindigkeit erzielen. Die Masse eines Körpers ist nicht wie in der gewöhnlichen Mechanik eine unveränderliche Größe, sondern sie nimmt zu oder ab, je nachdem der Körper Energie aufnimmt oder abgibt; das zweite Grundgesetz der Mechanik, nach dem bei der Bewegung eines Körpers die bewegende Kraft proportional gesetzt wird der durch sie hervorgerufenen Beschleunigung, bleibt also in der „relativistischen“ Mechanik nicht mehr allgemein gültig. Die Sätze von der Erhaltung der Masse und der Erhaltung der Energie sind nicht mehr getrennt und sogar wenn man jeden für sich allein betrachtet, überhaupt nicht mehr genau gültig, sondern sie stellen zusammengenommen ein einziges Naturgesetz dar. Der Leser wird schon nach dieser andeutenden Darstellung einiger Ergebnisse, die an dieser Stelle genügen muß, ein-