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Jeschurun · 1918-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1918) · p. Seite 122

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1918)
Date
1918-01-01
Page
Seite 122 (sequence 122)
Language
German
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122 Mathematik und Apologie. eine gemeinverständliche Darstellung2) der Grundlagen jener Theorie von berufenster Seite vor, nämlich von dem Hauptschöpfer jener Theorie, A. Einstein. Nur einige Andeutungen sollen hier gegeben werden, die die im vorigen Absatz erwähnte Meinung gründlich zu zerstören genügen dürften und die vielleicht den einen oder anderen Leser auch vom erkenntnistheoretischen Interesse her zu weiterer Beschäftigung mit dem Gegenstand anregen. Wir wollen vom Begriff der Gleichzeitigkeit ausgehen. Wenn ich sage: „In diesem Moment lasse ich einen Stein fallen“, so hat nach allgemeiner Anschauung die Zeitbestimmung in dieser Behauptung nicht nur einen Sinn für mich, sondern ebenso für jedes andere vernünftige Wesen; der in Frage stehende Moment ist anscheinend durch meine Behauptung auch z. B. für einen in der Straßenbahn an mir vorüberfahrenden Passagier oder auch für ein denkendes Wesen auf dem Mond definiert, falls ein solches dort existierte und hinreichend scharfes Gesicht und Gehör besäße. Oder anders ausgedrückt: Der Zeitbegriff scheint in der Natur absolut, im besonderen auch unabhängig vom Raumbegriff zu sein, der Begriff der „Gleichzeitigkeit“ hat daher einen objektiven Sinn; wenn ich zwei Ereignisse (z. B. zwei Bombenabwürfe) als gleichzeitig vor sich gehend beobachte und diese meine Wahrnehmung genau richtig ist, so sind die beiden Ereignisse auch gleichzeitig für irgendeinen anderen Beobachter, falls nur dieser die Gleichzeitigkeit oder Ungleichzeitigkeit der Ereignisse genau so präzis feststellen kann wie ich. Diese Anschauung — obgleich völlig unbeweisbar — war bis vor kurzem in der Naturwissenschaft ausnahmslos benutzt und von niemandem bezweifelt, ebensowenig wie jemand (von ganz vereinzelten Ausnahmen abgesehen) im Altertum oder Mittelalter bezweifelt hat, daß sich die Sonne um die Erde bewegt. Nun zeigt aber die natürlich ganz besonders auf der erwähnten Annahme und ihren Konsequenzen für die Zeitmessung 2) Über die spezielle und die allgemeine Relativitätstheorie, 1917 (Sammlung View eg, Heft 38).

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