Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 119 (sequence 119)
- Language
- German
- Belongs to
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»mag Mathematik und Apologie. 119 Genie, das die Weltgeschichte aufweist, und im Besitz mancher Ideen, deren Durchführung uns erst die neueste Zeit gebracht hat — allerdings auch Ausehauungen geäußert hat, die der Vorstellung eines Golem und auch dem erwähnten Laplaceschen Gedanken nahezukommen scheinen. Allein deshalb darf Leibniz keineswegs im Sinn unseres Themas mit Laplace zusammengestellt werden; wenn Leibniz der Wissenschaft, die er selbst um die erhabensten und Weitesttragen den Entdeckungen und Erfindungen bereichert hat, Großes und auch wohl manchmal Allzugroßes zugetraut hat, so kann er sich doch den Verdacht religiöser Gleichgültigkeit oder gar Verneinung deshalb keineswegs zuziehen; der Verfasser des „Essai de Theodicee“ hat sich zwar nicht, wie es zu seiner Zeit noch vielfach üblich war, die wissenschaftliche Forschungsfreiheit von kirchlichen Lehrsätzen einengen lassen, wohl aber das Reich des Glaubens stets als ein solches aufgefaßt, mit dem die Wissenschaft keine Differenzpunkte habe und haben könne. Wenn man übrigens, anstelle der von Laplace gemeinten Beherrschung des gesamten materiellen und geistigen Alls, nur an die Behandlung der den exakten Naturwissenschaften1) zugänglichen Naturvorgänge denkt, so ist in dieser Beschränkung das Laplacesche Ziel zwar nicht wirklich erreichbar, aber eben als Ziel durchaus vernünftig und sicherlich in keinem Widerspruch mit unseren religiösen Ansichten. Dieses beschränkte Ziel hat Kirehhoff in seiner Heidelberger Festrede „Über das Ziel der Naturwissenschaften^ (1365) als die höchste Aufgabe der Naturwissenschaften geschildert2), der nämliche 1) Der Bereich der Naturvorgänge, die der exakten d. h. quantitativ bestimmenden und mit mathematischen Hilfsmitteln arbeitenden Naturwissenschaft zugänglich sind, ist freilich nicht unveränderlich, sondern er erweitert sich mit der zunehmenden vMathemati$ierunga der Wissenschaft. 2) „Kennte man alle Kräfte der Natur und wüßte man, welches der Zustand der Materie in einem Zeitpunkt ist, so würde man ihren Zustand für jeden späteren Zeitpunkt durch die Mechanik ermitteln, und ableiten können, wie die mannigfaltigen Naturerscheinungen einander olgen und begleiten. Das höchste Ziel, welches die Naturwissenschaften zu erstreben haben, ist die Verwirklichung der eben gemachten Vorausetzung. “