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Jeschurun · 1918-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1918) · p. Seite 111

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1918)
Date
1918-01-01
Page
Seite 111 (sequence 111)
Language
German
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Religiöse und nationale Erziehung. III Zukunft Bindendes wie grade im Judentum. Unsere Gebote sind Symbole des Allgemein-Menschlichen und des Spezifisch- Jüdisch völkischen. Was ist den Germanen der Glaube an Wodan, Baldur und andere Gottheiten. Wie wenig greifen sie ins wahre Leben ein! Wie lebensgestaltend dagegen können unsere Religionsfeierlichkeiten werden! Ein Sederabend, ein T Tischo-Beaw, eine Jaum-Kippurmelodie hat durch ihre religiöse, aber auch nationale Weihe für den Zusammengehörigkeitsgedanken, für das Solidaritätsbewußtsein aller jüdischen Brüder auf Erden mehr Lebenskraft und Imponderabilienwert als alle grautheoretischen nationalen Forderungen Mud Kulturformeln Jhing-Judas. — Es ist entschieden ein selbstgerechter, einseitiger Standpunkt Abuha di Samuels, wenn er es als „inkonsequent“ und „unlogisch“ bezeichnet, daß ein Gesetzestreuer sich einer Bewegung anschließt, die die Heilighaltung des Thoragesetzes als irrelevant für die Existenz Israels bezeichnet, wie es selbstgerecht und sogar falsch von ihm ist zu behaupten (unmittelbar vorher, p. 630), daß man logischerweise einen nichtthoratreuen Juden nicht als Volljuden ansehen darf. Nirgens sind unsere Weisen so engherzig, die Zusammenarbeit an einem sozialen Werk, und dazu wenn es noch der Erhaltung des Gottesgesetzes den Boden ebnet, mit einem Gesetzesuntreuen, wofern er sich nicht von der Gemeinschaft Israels lossagt, zu verbieten! Auch sind die Zionisten in der weitaus größten Mehrheit nichts weniger als die Religionsfeinde, als die sie der doktrinäre Abuha di S. hinstellt. Im Gegenteil: Einsichtige Zionisten haben schon längst erkannt, daß es nicht allein gilt, die jüdischen Religionsformen zu „tolerieren“ sondern sie selbst liebevoll und bewußt zu erfassen. Denn was nutzen die vielen schönen Worte und Referate über die Notwendigkeit der Rückkehr zur Bibel (wie sie am letzten Delegiertentage im Dezember 1916 ausgesprochen wurde); die Bibel bleibt solange lediglich Religionsgeschichte und pietätvolles Gedenkbuch, — dies als Mahnung an die religionsfreien Zionisten — solange sie sich nicht entschließen, ihren Lehrinhalt auf sich wirken

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