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Jeschurun · 1918-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1918) · p. Seite 110

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1918)
Date
1918-01-01
Page
Seite 110 (sequence 110)
Language
German
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I IO Religiöse und nationale Erziehung. eines thorafreien jüdischen Nationalismus, für ihn besteht durchaus kein prinzipieller Gegensatz zwischen gesetzestreuem Judentum und Nationalismus (wie Abuha di Samuel im Dezemberheft, p. 628 des Jesehurun meint), noch viel weniger bedeutet ein solcher Beitritt gar einen „Treubruch gegen das Gottesgesetz. “ (Israelit, November 1916.) Allerdings bestreitet der Misrachist den apodiktisch aufgestellten Satz Abhuha di Samuels (im vorhin zitierten Aufsatz), daß das gesetzestreue Judentum das jüdische Volk lediglich als das Volk der Thora, als Hüter des Gottesgesetzes zu betrachten habe. Wenn unsere Propheten, wenn wir selbst in heißem Gebet die Hückkehr nach Zion zu erflehen nicht müde werden, tun wir dies nicht bloß, weil wir um größere Betätigungsfreiheit für die Übung der Gesetze beten, diese fehlt uns im Golus keineswegs, sondern wir flehen um den Boden zur nationalen Betätigung. Thoratreuer Zionismus bedeutet das Bekenntnis zu einer Stärkung und Sicherstellung des Mosesgesetzes und des Gottesvolkes auf nationalem, heimatlichem Boden. Für den tboratreuen Zionisten stellt sich die Frage nicht, ob Religion, ob Nation, welches primär, welches sekundär, sondern eines ist die untrennbare Ergänzung des anderen, ist Historisch-Gewordenes, Gottgewolltes, ist Kern und Schale mit einem Male. Für ihn hat die jüdische Gemeinschaft nie aufgehört, nationale Volkseinheit zu bilden. Denn nur die Religion kann Inhalt und Form eines neu zu erstehenden jüdischen Staatengebildes oder Gemeinwesens ausfüllen. Die jüdische Religion bietet die Tatwerdung des bloß Gefühlsmäßigen der nationalen Idee an einem sichtbaren Objekt, die Formen der periodischen und täglichen religiösen Betätigung erzeugen die Form der jüdischen Volkseigenheit. Bei keiner Volksgemeinschaft sind die religiösen Formen so sehr Lebens Vorbedingung und arterhaltendes Element nationaler Prägung und durchaus nicht bloße „Konfession“ als bei den Juden, dem klassischen Volk der Religion, nirgends sind die Gestaltungsformen religiösen Volkstums so sehr Lebenbestimmendes, den Willen zur nationalen Selbstentfaltung Bekundendes, Vergangenheit und

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