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Jeschurun · 1918-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1918) · p. Seite 109

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1918)
Date
1918-01-01
Page
Seite 109 (sequence 109)
Language
German
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Religiöse und nationale Erziehung. 109 Anpassung unserer Jugend (auch der frommen Kreise) an die Kulturverhältnisse so vieler fremden Umgebungen Einhalt gebieten kann, daß nur eine nationale Neugeburt die ernste Gefahr zu beschwören geeignet ist, die darin liegt, daß das jüdische Volk unter den Völkern mit ihrer nationalistischen Hochströmung seine eigene .nationale Kontinuität und Eigenprägung zusehends verliert, daß der englische Jude nur Engländer, der deutsche Jude nur Deutscher sein möchte. Sind die Sirenenrufe eines Trützschler von Falkenstein, eines Karl Scheffler (Neue Rundschau, Oktober 1917) nicht symptomatisch genug, die uns versichern, viele geistig bedeutende Juden zu kennen, die den Entschluß geäußert haben, nach dem Kriege zum Christentum übertreten zu wollen, um sich „nachdrücklich zum Deutschtum zu bekennen“. Es ist falsche Vorsicht von den Gesetzestreuen, ob des heißspornigen Gebarens einesHäufleins'zionistiseher Neuerer oder ausgesprochener Atheisten der großen Idee des Zionismus für immer den Rücken zu kehren. Der Zionismus müßte keine.V olksbewegung sein, wenn er die Zugehörigkeit seiner Mitglieder von einem religiösen Parteibekenntnis abhängig machen wollte. Kein positiv denkender Mensch, Jude oder Nichtjude, wird Bedenken tragen, sich der Sozialistenpartei anzuschließen, nur weil einer der Programmpunkte der Sozialdemokratie Religion als Privat sache erklärt. Gegen den Zionismus helfen keine Warnungsrufe der Religionsängstlichen und keine Lockrufe der Assimilanten. Die Ausschaltung des religiösen Moments aus dem offiziellen Programm der zionistischen Organisation mag ein berechtigter Vorwurf mangelnder historischer Erkenntnis und Konsequenz sein, doch bedeutet es immer nur einen Vorwurf gegen die politische Partei als solche, nicht aber gegen die Grundidee des Zionismus, die Erneuerung des jüdischen Volkstums. Indem für die gesetzestreuen Juden das Gottesgebot der Tora die Zentralidee seiner Weltanschauung bleibt, einerlei welcher politischen Bewegung zur Vertiefung seines Volkstums er sich anschließt, bedeutet für ihn der Eintritt in die zionistische Bewegung keineswegs ein Zugeständnis

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