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Jeschurun · 1918-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1918) · p. Seite 108

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1918)
Date
1918-01-01
Page
Seite 108 (sequence 108)
Language
German
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io8 Beligiöse und nationale Erziehung. Kundgebung, bemerkenswert schon deshalb, als hier zum ersten Male in historisch-philosophischer; Weise aus orthodoxen Kreisen die Forderung und Notwendigkeit einer nationaljüdischen Jugenderziehung unzweideutig ausgesprochen und begründet wird. Unna bezeichnet es offen als taktischen Fehler, daß die große Masse der Orthodoxie es verabsäumt habe, sich der national-zionistischen Bewegung anzuschließen, daß sie keinen Versuch gemacht habe, durch ihr numerisches Schwergewicht dem Nationalismus den rechten jüdischen Inhalt zu geben und ihn in ein religiöses Fahrwasser zu lenken. Der „Misrachi“ könne diese Aufgabe nicht erfüllen, teils infolge seiner numerischen Minderheit, teils aus Mangel an modern gebildeten Führern, die den religionsfeindlichen Elementen mit Erfolg entgegenzutreten imstande wären. Unnas Ausführungen gipfeln in der Mahnung an die Gesetzestreuen, allen in der Religion liegenden nationalen Elementen mehr Pflege angedeihen und den nationalen Charakter unserer Gebote und Feste bewußter als bisher in den Vordergrund treten zu lassen. Das waren wahrhaft seltene, herzstärkende Töne, befreiende Worte für die misrachistischen Leser dieser Zeitschrift (deren einer Schreiber dieses ist), Worte, die den bisherigen Bann der „Nichts als Religion “-Richtung der deutschen Orthodoxie zu lösen verspricht. Bis jetzt standen diese Richtung und ihre Organe jedem Vorschlag einer nationalen Jugenderziehung mißtrauisch, ja feindselig gegenüber und lehnten jede national-jüdische Arbeit, sei es im Golus, sei es im Palästina als religionsgefährlich ab. Welch verhängnisvolle Jahre der Untätigkeit gingen über diese Zeit der Zurückhaltung dahin! Welch ein folgenschwerer Irrtum ist es noch von seiten der Besten, dem Gesamtjudentum Notwendigsten, an einem umfassenden nationalen Erziehungswerk am Gesamtkörper unseres Volkes nicht mitarbeiten zu wollen! Ist es nicht ängstlicher Verneinungsfanatismus, aus bloßem Mißtrauen das Werk der anderen zu stören und zu beargwöhnen und sich dauernd gegen die Erkenntnis zu verschließen, daß nur eine groß angelegte national-jüdische Erziehung der Absplitterung und uferlosen

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