Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 100 (sequence 100)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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IOO Die Juden in Rußland und Polen. Juden“ zu dem Zwecke, die in Djerzawins „Gutachten“ niedergelegten Vorschläge in Erwägung zu ziehen. Als sich beunruhigende Gerüchte über die Bestrebungen dieser Kommission in jüdischen Kreisen zu verbreiten begannen, erhielten die Gouverneure den Auftrag, die jüdische Bevölkerung über die wohlwollenden Absichten der Regierung aufzuklären. Es wurde sogar der Versuch gemacht und einige Jahre später erneuert, die Teilnahme jüdischer Vertreter an der Ausarbeitung des vorgeschlagenen Entwurfes zu gestatten; aber der Versuch blieb, nicht durch die Schuld der Juden, resultatlos und wurde schließlich aufgegeben. Durch den Rücktritt des reaktionären Djerzawin von seinem Amte war die Kommission glücklicher Weise in der Lage, neue und weniger reaktionäre Wege einzuschlagen. Innerhalb der Kommission kämpften zwei Strömungen um die Herrschaft. Das liberale Streben war durch Speranski vertreten, eine Zeitlang der einflußreichste Berater des Zaren, ein Mann, der seiner Zeit weit voraus war, der schon im Anfang des neunzehnten Jahrhunderts jenes ruhmreiche Traumbild eines freien, konstitutionellen Rußlands im Herzen trug, von dem am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts nur ein matter und verzerrter Abglanz sich zum Dasein losgerungen hat. Die Ansichten dieses ausgezeichneten Mannes, den Napoleon „den einzig klaren Kopf in Rußland“ nannte, und dem die heutige russische Duma Namen und Begriff verdankt, sind in einem Protokoll der obenerwähnten Kommission niedergelegt, und sie heben sich so strahlend von dem dunklen Hintergründe der russischen Politik ab, daß ihre Unvergieichlichkeit sie zu einem Ehrenplätze in der Geschichte der russischen Judenheit berechtigt. Reformen (so sagt Speranski), durch die Macht des Staates herbeigeführt, sind wie jedes Gesetz wandelbar und sind besonders in den Fällen unhaltbar, in denen jene Macht es mit Jahrhunderte alten Gewohnheiten zu tun hat. Daher scheint es besser und sicherer, die Juden der Vervollkommnung dadurch entgegenzuführen, daß man ihnen die Wege öffnet, die zu ihrem eigenen Glücke führen, daß