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Jeschurun · 1918-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1918) · p. Seite 99

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1918)
Date
1918-01-01
Page
Seite 99 (sequence 99)
Language
German
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Die Juden in Rußland und Polen. 99 merkungen“ eröffne. Dieses „Gutachten“ mit seinem halbeuropäischen Firnis und seiner halbasiatischen Roheit, das außerdem noch eine phänomenale Unkenntnis von Juden und Judentum verrät, wurde im Jahre 1800 dem Senat vorgelegt, um als Grundlage für die beabsichtigte gesetzliche Regelung der Juden zu dienen. Aber die Ermordung Pauls und die unerwartete Thronbesteigung Alexander I. leiteten für einen Augenblick das politische Leben Rußlands in ganz andere Bahnen. Die Regierungszeit Alexander I. Alexander I. (1801—1825) war, um seine eigenen Worte anzuführen, „ein glücklicher Zufall auf dem Zarenthrone“. Schüler eines Schweizer Revolutionsmannes, mit einer gütigen und sogar liebenswürdigen Veranlagung begabt, von dem Ehrgeiz erfüllt, „der erste Gentleman Europas“ zu sein, besaß Alexander doch nicht die Charakterstärke und Willenskraft, seine Gefühle in die Tat umzusetzen. In seinen späteren Jahren, als er nach dem Sturze Napoleons der anerkannte Führer Europas wurde, verleugnete er seinen früheren Liberalismus und wurde, christlichem Mystizismus und allen Arten abergläubischer Gewohnheiten ergeben, der einflußreichste Förderer jener unheiligen Vereinigung von Mächten, die durch eine seltsame Verkehrung der Geschichte die heilige Allianz genannt wurde, und die Europa und Rußland die Fesseln einer furchtbaren Reaktion anlegte. Wie der Morgenstern der Freiheit war er am Himmel Rußlands aufgegangen und inmitten des schwarzen Gewölks ging er unter, das den Sturm der Gewaltherrschaft ankündigte, der mit beispielloser Wut unter seinem Nachfolger Nikolaus über das unglückliche Volk hereinbrach. Die Judenpolitik Alexanders sollte denselben Wandel durchmachen, obwohl sie zu keiner Zeit, nicht einmal in den ersten Jahren seiner Regierung, von jenem eingewurzelten Vorurteil gegen die Juden frei war, das nun einmal von russischer Autokratie untrennbar zu sein scheint. Eine der ersten Handlungen Alexanders zu Gunsten jüdischer Interessen war die im Jahre 1802 erfolgte Ernennung einer eigenen „Kommission für die Verbesserung der Lage der

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