Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 98 (sequence 98)
- Language
- German
- Belongs to
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iss Die Juden in Rußland und Polen. 98 So rechtfertigte Katharina die Große in vollem Umfange den Beinamen, den sie mit Vorliebe für sich beanspruchte. Sie war in Wirklichkeit eine „commenceuse“, eine Bahnbrecherin. Sie legte den Grund zur jüdischen Rechtlosigkeit. Die folgenden Herrscher haben dann auf diesem Grunde weitergebaut. Die Regierungszeit Pauls. Die kurze Regierungszeit ihres Sohnes Paul (1796—1801) ist für die Geschichte der russischen Juden ohne Bedeutung, . außer für die Anstalten, die getroffen wurden, um die allgemeinen Bestrebungen der früheren Regierung fester zu gestalten. Durch die elende Lage der Bauern in den an gegliederten polnischen Provinzen veranlaßt faßte die Regierung den schlauen Plan, sich um Rat an deren Herren, an die polnischen Edelleute, zu wenden, d. h. an die Kreise, die das Elend jener verschuldet hatten und durch ihre Aussaugung reich geworden waren. Und die polnischen Pans wälzten mit fast unglaublicher Selbstgefälligkeit die Schuld auf den armen jüdischen „Arendar“, dessen Hauptstreben gewesen war, ihnen Reichtümer zu verschaffen. Das Ergebnis dieser Untersuchungen war ein offizielles „Gutachten“, das von dem russischen Dichter Djerzawia abgefaßt wurde. In diesem „Gutachten“ schlägt der halbzivilisierte Moskowite, von der Überzeugung ausgehend, daß die Juden jedes Gefühles für Sittlichkeit bar wären und daß sie „keinen Begriff von Menschenliebe, Uneigennützigkeit und anderen Tugenden“ hätten, einerseits vor, „das gierige Hasten der Juden zu zügeln“ und rät andererseits, ihr Innenleben dadurch umzugestalten, daß man die jüdische Kleidung verbiete, dem außerordentlichen Eifer der Juden für ihre religiöse Erziehung einen Hemmschuh anlege und an die Stelle ihrer Organisation, des Kahal, einen unter amtlicher Beaufsichtigung stehenden Mechanismus setze. Schließlich empfiehlt Djerzawin, und es ist unmöglich ein Lächeln zu unterdrücken, wenn man an die primitive Stufe der russischen Kultur bei Beginn des neunzehnten Jahrhunderts denkt, daß die Regierung eine besondere Buchdruckerei für die Herausgabe jüdisch-religiöser Bücher „mit philosophischen An-