Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 87 (sequence 87)
- Language
- German
- Belongs to
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Rabbiner Josef Nobel זצ״ל S7 jüdischem Gotteshause die Fülle der Zuhörer mit sich fort gerissen. — Noch ein Werk seiner Feder wäre zu erwähnen, die Neubearbeitung des תוצאות חיים von Dr. S. Bär, des Trostbuches für die Trauernden in •Israel. Josef Nobel konnte Trost spenden: sein großes und mildes Herz empfand auch fremdes Leid, und so war er wohl geeignet, im תוצאות חיים Worte zu finden, die sich lindernd auf leiderfüllte Gemüter legen und sie mit sanfter Überredungskunst den Weg zu dem großen Tröster finden lassen. — Diesen Weg — auch wir mußten ihn suchen, wenn uns alltäglich aufs neue schmerzvoll zum Bewußtsein kommt, daß Rabbiner Josef Nobel nicht mehr in unserer Mitte ist; nur daß wir sein Wort, sein lebendiges Wort des Trostes, das er so bereitwillig gespendet, über sein eigenes Scheiden entbehren müssen. — Der fromme Brauch der Väter läßt uns auf unseren Gräbern Steine niederlegen, zum Zeichen des Gedenkens und auch zum Zeichen, daß der stille Grabeshügel Freunde unter den Menschen besitzt. Ein solcher Stein des Gedenkens sollten meine Worte sein. Nicht war es meine Absicht, das Leben Josef Nobels in seiner ganzen harmonischen Vollendung zeigen zu wollen, nur der leuchtende Glanz des versinkenden Tages, — ihn wollte ich für eine kurze Stunde bannen. — Das Lernzimmer der Halberstädter Klaus ist wieder dunkel, בבה תבכה בלילה, und leises Wehklagen ertönt ob seiner Vereinsamung. Aber לא אלמן ישראל; überZeit und Raum und Menschentum strahlt die Ewigkeit der הורה, und so wird auch aus dem Leid dieses Heiligtums neues Leben entsprießen, und ein anderer die geweihte Stätte zu gleich edlem Tun betreten. Freilich — Josef Nobel kehrt uns nicht wieder. — Und wenn im Kreislauf der Jahre die ימים נוראים nahen, und die זברונות, die großen Erinnerungen unseres Lebens vor uns aufsteigen, dann wird an jedem ערב ראש השנה לעת המנחה zu der Stunde, da wir ihn leiderfüllt in die Erde legten, sein Bild freundlich grüßend an uns vorüberziehen und uns an die glückliche Zeit gemahnen, da er noch unter uns geweilt. —