Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 70 (sequence 70)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2292929-2292980-2292982--02630-2295901- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
ס 7 Rabbiner Josef Nobel זצ״ל. Rabbiner Josef Möbel זצ״ל*) von Hermann Schwab, Halberstadt. Von der Halberstädter Klans möchte ich erzählen. Noch einmal mögen Lichter aufflammen über einer Stätte, von der durch Jahre und Jahrzehnte so viel leuchtende Schönheit ausgestrahlt, noch einmal das reiche Menschentum einer großen Persönlichkeit an uns vorüber ziehen, auch wenn die Lichter wieder verlöschen müssen, und das liebenswerte Bild, das vor uns aufgestiegen, unaufhaltsam in den Nebeln der Zeit versinkt. — Es ist das Lernzimmer von Rabbiner Josef Nobel, das wir erblicken. — Noch stehen die ספרים, wie seine Hand sie geordnet, noch schauen die Bilder von גאונים zu dem schweren Eichentisch herab, dem Tisch des Großvaters, an dem seit über hundert Jahren unablässig gelernt wurde, noch steht der Sessel, den ihm kindliche Liebe dargereicht — nur er selbst, der in diesen vier Ellen der Halacha gelebt — er hat leisen Schrittes das Zimmer verlassen. Am letzten Schabbos des Jahres לעת המנחה, nachdem er noch zum letztenmal mit tiefer Innigkeit ausgesprochen, daß die Lehre der Wahrheit ewiges Leben in unsere Mitte pflanze — da ging sein Lebenstag zu Ende, und von Sabbathmelodien getragen kehrte seine Seele in ihre Heimat zurück. Die Psalmenlieder, die den Schabbos geleiten und die er so wundersam zu deuten verstand, er sollte sie nimmer hören: חסדי ומצודתי, משגבי ומפלטי לי, מגני ובו הסיתי deucht es uns doch, als ob der scheidende Sabbath seinem scheidenden Sänger wehmutsvoll huldigen wollte mit diesen Worten, die wie keine anderen den Wesensinhalt seines Lebens künden. War doch ein in des Wortes wahrster Bedeutung ג) Dieser Nachruf enthält nicht eine kritische Würdigung des Lebenswerkes des dahingegangenen Nestors der Rabbiner Deutschlands. Aber es erschien uns angebracht, auch einmal einem Schüler das Wort zu geben, daß er nach guter alter Sitte der ungeteilten Bewunderung für seinen Meister Ausdruck verleihe. Über die Methode der Exegese Rabb. Joseph Nobels habe ich mich im ,.Israelit“ vom 17. Nov. und 1. Dez. 1910 ausgelassen. — Der Herausgeber.