Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 69 (sequence 69)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein Blick in das Wirtschaftsleben der Juden im Mittelalter. Auch die Einzeldarlehen, welche sie gewährten, stellen sich durchaus nicht nur als eine Ausbeutung der Notlage dar. Sie werden oft auch zur Meliorierung von Ländereien, zur Erhaltung und Erweiterung von Handwerks- und Handelsbetrieben verwertet worden sein. Kurz, sie füllten eine Lücke in der Volkswirtschaft aus und leisteten, was ohne sie von anderen hätte geleistet werden müssen. Was Einzelne etwa durch Unredlichkeit und Ausbeutung der menschlichen Schwäche, wozu diese Art von Geschäften besonders reiche Gelegenheit bietet, gefehlt haben, dafür haben sie durch die Verfolgungen, den Haß und die Verachtung der Volksmenge mehr als verdient gelitten. Ein Lohn ist ihnen nicht geworden. Denn arm und gedrückt sind wenigstens die deutschen Juden aus dem Mittelalter in die neuere Zeit eingetreten. Diese erst bot ihnen neue Entwicklungsmöglichkeiten. Hier gelang es ihnen, tatkräftig und erfolgreich am Aufbau der modernen Volkswirtschaft mitzuarbeiten. Wir haben keinerlei Veranlassung, uns der wirtschaftlichen Tätigkeit unserer Vorfahren zu schämen oder sie mit dem Schleier der Vergessenheit zuzudecken. Ohne als Volksgenossen geachtet zu werden, arbeiteten sie doch auch auf wirtschaftlichem Gebiete zum Wohle des deutschen Volkes und taten das Ihre, die modernen Entwickelungen vorzubereiten. 619429^890