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Jeschurun · 1918-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1918) · p. Seite 66

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1918)
Date
1918-01-01
Page
Seite 66 (sequence 66)
Language
German
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66 Ein Blick in das Wirtschaftsleben der Juden im Mittelalter. Das schlimmste und grauenvollste [Risiko waren endlich die im Ilten Jahrhundert beginnenden sich teils auf einzelne Städte, teils auf ganze Länder erstreckenden Verfolgungen, welche im 12ten und 13ten Jahrhundert sich oft wiederholen, um endlich im 14ten in den furchtbaren sich über ganz Deutschland ausdehnenden Metzeleien der Pestzeit ihr grausiges vorläufiges Ende zu finden. Es gab wohl seit dem Beginn des 12ten Jahrhunderts keine Generation von Juden, welche nicht entweder selbst solche Verfolgungen erlebt hatte oder von ihrer Verhängung über Blutsverwandte oder Glaubensgenossen unmittelbare Kunde hatte. Wer unter solchen Gefahren lebt, wird, wenn er nicht in fatalistischer Ergebung müßig die Hände in den Schoß legt, bei seinen geschäftlichen Unternehmungen nach einem anderen Maßstabe verfahren, als wer in ruhigen, geordneten Verhältnissen auf einen regelmäßigen und sicheren Gewinn rechnen darf. Die kühnen Pioniere, welche in fremden, unerforschten Ländern, ihr Leben und ihre Gesundheit aufs Spiel setzend, ihrem Erwerbe nachgingen, haben dies nur getan, wenn der zu erhoffende Gewinn dem großen Einsätze entsprach. Ähnlich müssen wir den Geschäftsbetrieb der jüdischen Geldhändler auffassen. Nur ganz große Gewinne waren imstande, ihnen einen Ausgleich zu bieten für die beständigen Gefahren, welche ihrem Leben und ihrer Freiheit drohten. Wenn wir es nicht ohnedies schon wüßten, daß die Juden des Mittelalters nur durch den äußersten Zwang der Notwendigkeit, nur durch den gleichsam allmählich, fast automatisch erfolgenden Ausschluß von anderen Berufsarten zum Geldhandel getrieben wurden: die Aufzählung dieser Summe gewaltiger Kisiken allein schon würde uns genügen. Wenn man dem oft entgegen hält, es gab kein direktes Gesetz, welches besagte, der Jude darf nicht Landwirtschaft, Handwerk oder Kaufmannschaft treiben, die Vorliebe und Eigenart der Juden habe sie zum Wucher geführt, so beweisen ja die Erfahrungen unserer Zeit, wo in einem Verfassungsstaate, der uns Gleichberechtigung

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