Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 67 (sequence 67)
- Language
- German
- Belongs to
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a Ein Blick in das Wirtschaftsleben der Juden im Mittelalter. 67 garantiert, uns doch in stiller Vereinbarung weite Berufs- und Betätigungskreise versperrt werden und unsere Jugend immer wieder in die alten wirtschaftlichen Bahnen zurückgetrieben wird, was auch ohne geschriebenes Gesetz möglich ist auf Grund von Verwaltungspraxis und gesellschaftlicher Übereinkunft. Was sollen wir da erst von jenen harten, rohen und rechtlosen Zeiten erwarten, wo die Juden vogelfrei der allgemeinen "Willkür überantwortet waren. Ja, es heißt zum Schaden noch den Spott und Hohn hinzufügen, wenn man von einer Vorliebe und Neigung der Juden zum Geldgeschäft in jenen Tagen redet. Kein Mensch und der Jude am allerwenigsten hat eine Vorliebe, wie auf einem Vulkan zu sitzen, ständig in Gefahr von Leib und Leben, von Sicherheit und Existenz zu schweben. WTenn er es tut, so tut er es nur, weil er nicht anders kann, weil er ein unsicheres Leben dem sicheren Tode vorziehen muß, weil er, wie der Jude in seinem unerschütterlichen Optimismus niemals verzweifelt, stets die Hoffnung auf eine Besserung der Verhältnisse aufrecht erhält. Auch die geistigen Führer der Juden können sich mit dieser wirtschaftlichen Tätigkeit nicht recht befreunden. Sie suchen sie eben gerade zu erklären und zu entschuldigen. So bemerkt ein Lehrer: Wenn wir Darlehensgeschäfte treiben, so ist das für unser Leben nötig, da wir nicht wissen, wieviel Steuern der König verlangen wird. Ein anderer begründet es in folgender Weise: In jetziger Zeit, da die Israeliten keine Felder und Weinberge haben, ist die Verleihung von Geldern und daher das Zinsnehmen für sie eine Notwendigkeit und aus diesem Grunde erlaubt. Indessen erheben sich immer wieder Stimmen, die es zwar juridisch nicht verbieten wollen, die es aber vom moralischethischem Standpunkte aus verwerfen. Besonders das „Buch de^Frommen,“ dessen zwar mystische, dabei aber tief innerlich fromme und auf höchster sittlicher Stufe stehende Lebensauffassung ihm besonders auch bei den deutschen Juden ein hohes Ansehen verschaffte, kann sich mit