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Jeschurun · 1918-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1918) · p. Seite 63

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1918)
Date
1918-01-01
Page
Seite 63 (sequence 63)
Language
German
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bin Blick in das Wirtschaftsleben der Juden im Mittelalter. 63 höheren Zinsfüßen rechnen mußte als in unserer Zeit. Koch Luther klagt, daß viele Kleriker in seiner Zeit sieh Kenten um 10% kauften. Und so war in der Tat auch bei festen hypothekarische Sicherheit bietenden Darlehnsgeschäften der Zinsfuß bis in die Mitte des 14ten Jahrhunderts im Durchschnitt 10%. Bei Darlehen ohne solche Sicherheit schwankte er zwischen 10 und 18%, wobei nicht zu vergessen ist, daß in vielen Fällen des Verzuges hohe Verzugszinsen hinzukommen, wie es z. B. als Speyrer Gewohnheit bezeichnet wird, im Falle des Verzuges das Doppelte zu zahlen. Bezeichnend ist, daß in Kiel, wo es keine Juden gab, sich der Zinsfuß im 13. Jahrhundert zwischen 15 und 33 % % bewegte. Frankfurt a. M. muß im 14ten Jahrhundert für eine städtische Anleihe 40% zahlen. Demgegenüber gewinnt der Judenzins, der überdies gesetzlich durch Taxe festgelegt war, doch ein anderes Ansehen. Dazu kommt, daß es sich meist um kleinere Darlehen auf kürzere Zeit handelt. Die Taxe ist für die Woche festgesetzt. Koch heute ist in den staatlich konzessionierten Pfandleihen ein Zinsfuß von 12—21% üblich, noch dazu mit Abrundung auf einen oder drei Monate. Es wird also hier ein Zinsfuß zugelassen, der fünf bis sechsmal so groß ist als der gesetzliche. In diesem Licht verlieren die Zinsen von 40—50% bei einem durchschnittlichen gesetzlichen Zinsfuß jener Zeit von 10% doch manches von ihrem erschreckenden Anschein. Wie auch heute noch der Kleinkrämer, der pfennigweise verkauft, einen höheren Nutzen nehmen muß als der Großhändler, so war auch der Jude, insoweit er als Pfandleiher das Kreditbediirfnis der kleinen Leute befriedigte, zu den oben genannten hohen Zinssätzen gezwungen, wenn er seinen Geschäftsbetrieb aufrechterhalten wollte. Die Höhe der Zinsen aber erscheint uns noch weniger bedenklich, wenn wir das gewaltige JRisiko des jüdischen Geldhandels ins Auge fassen. Jene Zeiten waren an sich schon unsicher. Das Hecht der Juden hing aber nur von der Gunst und Gnade, oft von

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