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Jeschurun · 1918-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1918) · p. Seite 62

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1918)
Date
1918-01-01
Page
Seite 62 (sequence 62)
Language
German
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62 Ein Blick in das Wirtschaftsleben der Juden im Mittelalter. Volkes wird danach streben, das zum Leben Nötige möglichst leicht und mühelos zu erwerben. Wie erklärt es sich nun aber, daß, wenn alle Stände der Gesellschaft, wenn Geistliche, Adel und Bürger sich am Wucher beteiligten, wenn die Scharen der einheimischen Wucherer noch verstärkt wurden durch einen starken Zustrom von außen, namentlich aus Italien Eingewanderter, daß sich das Hauptodium allein gegen die Juden richtete? Die Aufklärung gewährt uns die Tatsache des kirchlichen Zinsverbotes Dieses erschwerte es den christlichen Geldgebern, offen Zins zu nehmen und zwang sie zu allerlei Umgehungen und Verschleierungen, welche die damals noch wirtschaftlich wenig gebildete Masse nicht zu durchschauen vermochte Der Jude war der einzige, der offen Zins und Wucher nehmen durfte; so hatte er indirekt auch für die anderen mitzubüßen. Ein weiterer Grund mag sich aus folgendem ergeben: Schuldenmachen mag ja wohl zuweilen eine ganz angenehme Sache sein. Schulden zahlen ist es aber jedenfalls viel weniger und zumal in jener Zeit, wo der Produktivkredit verhältnismäßig wenig verbreitet war und es sich meist um Konsumptivkredit handelte. Die Erbitterung der sich bedrückt fühlenden Schuldner wandte sich nun naturgemäß in der Richtung des geringsten Widerstandes. Die wucherischen Volksgenossen wurden von ihren Standesgenossen geschützt. Die fremden Wucherer hatten eine Heimat, in welche sie vor der Wut des Volkes flüchten konnten. Blieben einzig als schütz- und wehrloses Objekt die Juden übrig, die in jenen Zeiten keine Heimat hatten und überall unter Fremdenrecht standen. Einen Hauptangriffspunkt gegenüber den jüdischen Geldgeschäften im Mittelalter bietet der auf den ersten Blick exorbitant hohe Zinsfuß. Derselbe betrug, um, ohne uns auf Einzelheiten einzulassen, eine Durchschnittszahl anzunehmen, 431/3Ö/Ö im Jahre. Aber die mangelnde Rechtssicherheit, die Geldknappheit, die im allgemeinen noch überwiegende Naturalwirtschaft waren die Ursache, daß man im Mittelalter mit weit

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