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Jeschurun · 1918-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1918) · p. Seite 59

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1918)
Date
1918-01-01
Page
Seite 59 (sequence 59)
Language
German
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Ein Blick in das Wirtschaftsleben der Juden im Mittelalter. 59 um sofort in Mainz wieder zu verkaufen. Die Ärmeren nahmen Ware in Kommission gegen Abgabe des halben Gewinnes oder sie verdienten sich Maklergebühren. Man machte die Reise zu Schiff oder verstaute, wenn man das Fahrgeld für sich sparen wollte, wenigsten die schweren Warenbündel auf den Rheinschiffen. So konnte der schon genannte Elieser ben Nathan mit Recht sagen: Im Handel liegt unser Lebensunterhalt. Indessen macht sich doch schon ein gewisser Umschwung bemerkbar. Es sind Anzeichen dafür da, daß das Geldgeschäft neben dem Handel in größerem Umfange betrieben wird: So hat jemand z. B. eine Summe Geldes erhalten, um damit Darlehnsgeschäfte zu treiben, er verwendet sie aber zum Warenhandel und erzielt damit einen höheren Gewinn, von welchem der Geldgeber gleichfalls seinen Anteil beansprucht. Oder ein Handwerker verklagt einen anderen, daß er ihm das Geschäft verderbe, dadurch, daß er sich dicht neben ihm niedergelassen habe. Der Verklagte entgegnete: In allen Wohnsitzen der Juden wohnen sie einer neben dem anderen und ernähren sich von einer Profession durch Handel oder Zinsnahme. Im 13ten Jahrhundert finden wir noch Zeugnisse für einzelne Handelsgeschäfte mit Wein, Pferden, Früchten, Metallen, Schafwolle, steifleinenen Gurten, Iltisfellen und Fuchsfellen. Eifrigen Geschäftsverkehr pflegen sie mit Polen und besonders mit Ungarn. Von dort bringen sie gesalzene Fische auf Schiften und auf Wagen. Mit dem 14ten Jahrhundert endet die Geschichte des Warenhandels der Juden im Mittelalter. Wenn sie auch noch die Messen besuchen und Geschäfte machen, so handelt es sich wohl nur um Geldgeschäfte, zu welchen sich dort jedenfalls sehr gut Gelegenheit fand. Vom Handel abgeschnitten, mußten sie sich jetzt ganz allein dem Geldgeschäft widmen, für welches sie aber auch schon durch Jahrhunderte lange Vorbereitung geschult waren.

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