Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 58 (sequence 58)
- Language
- German
- Belongs to
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5 8 Ein Blick in das Wirtschaftsleben der Juden im Mittelalter. Platze. Auf einen Sonnabend fallende Märkte werden um seinetwillen verlegt. Im lOten Jahrhundert bilden sich neue Organisationsformen des jüdischen Handels. Reiche Juden leihen den weniger kapitalkräftigen Geld und lassen sie auf den Kölner Messen Handel treiben. Von dem Gewinne nehmen sie einen mäßigen Anteil für sich in Anspruch. Überhaupt gewinnt das Kompagniegeschäft, welches Risiko und Arbeit teilt, an Ausdehnung. Die Geldbeschaffung der kriegsführenden Parteien wird übernommen. Den Siegern ermöglicht man es, die Beute rasch zu Golde zu machen. Neben dem eigentlichen Warenhandel findet sich der Wein-, der Pferde- und der Getreidehandel. Auch das auswärtige Geschäft besteht fort zur See und zu Lande. In Gesellschaften ziehen sie unter anderem durch Rußland und kaufen in den Ländern des Ostens schon im voraus im Terminhandel die ganze Produktion z. B. an Mänteln auf. Die Kreuzzüge mindern das soziale Ansehen der jüdischen Kaufleute, vermögen sie aber vorläufig in ihrer wirtschaftlichen Stellung noch nicht zu erschüttern. Zu Anfang des izten Jahrhunderts erzählt der Konvertit Hermann von Köln, wie er mit verschiedenen Waren nach Mainz gezogen sei, und macht dabei die Bemerkung, daß ja alle Juden sich dem Handel widmen. Wir finden bezeugt Handel mit Gold, Schaffellen, Perlen und Mänteln. Eine besondere Stellung nimmt der Handel mit Kultusgegenständen ein. Die Rabbinen wünschen nicht, das der Jude einen fremden Kultus fördere und verbieten daher den Handel mit solchen Dingen, welche nur für kirchliche Zwecke verwertet werden können, wie z. B. Kreuzen, Weihrauch, Bildern, Räucherpfannen, dagegen erlauben sie ihn mit Wachs, Kelchen, Ornaten der Pfarrer und ähnlichem. Eifrig beteiligen sich die Juden weiter an den Kölner Messen. So hat der bis zur Mitte des 12ten Jahrhunderts lebende Mainzer Rabbiner Elieser ben Nathan viele Rechtsstreitigkeiten zu entscheiden, welche sich aus diesem Handel ergeben. Man kaufte in Köln ein,