Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 57 (sequence 57)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein Blick in das Wirtschaftsleben der Juden im Mittelalter. 57 Schätze des Ostens zuzuführen. Zur Zeit der Kreuzzüge sei das deutsche Bürgertum zur wirtschaftlichen Selbständigkeit erwacht. Es sei aus eigener Anschauung mit den Verhältnissen des Ostens bekannt geworden und habe diese lästige fremde Vormundschaft abgeschüttelt. Durch die zunttmäßig-genossenschaftliche Ausgestaltung des städtischen Handels seien die Juden allmählich ganz von den höheren Formen desselben ausgeschlossen und auf die niederen des Schachers und Trödels zurückgewiesen worden. Die fähigeren und kapitalskräftigeren Elemente unter ihnen hätten sich dann dem lohnen deren und infolge des kirchlichen Zins Verbotes fast konkurrenzlosen Geldhandel zugewandt. Sombart will es überhaupt nicht gelten lassen, daß die Juden damals in umfassenderer Art Handel getrieben hätten. Er will nur von jüdischen Kleinkrämern und Hausierern etwas wissen. Indessen stimmen alle diese Theorien in ihrer Allgemeinheit nicht mit der Wirklichkeit überein. Die Juden waren zu keiner Zeit allein maßgebend für den Handel im Mittelalter. Sie teilten ihr Verdienst mit anderen Stämmen wie Friesen, Bulgaren, Griechen, Syrern und vor allem den weltgewandten italienischen Kaufleuten, die ihnen an Tüchtigkeit im Handel und eigenartiger Begabung für diesen Beruf nicht im mindesten nachstanden. Ferner hat auch die Zeit der Kreuzzüge die Macht der jüdischen Handelstätigkeit durchaus nicht so ohne weiteres gebrochen. Sie läßt sich auch noch über diese Zeit hinaus verfolgen, wie das besonders die zahlreichen Belege aus den hebräischen- Quellen beweisen. Schon die früheren Zeiten des Mittelalters zeigen ein buntes Bild von verschiedenen Handelsmethoden des jüdischen Kaufmannes. Wir finden den kühnen Seefahrer und soliden Großkaufmann, den willkommenen Lieferanten der gepriesenen Orientwaren, wie den schwatzhaften Hausierer, vor dem die Nonnenklöster gewarnt werden, und den geschmeidigen Hofjuden, der seine Waren beim Bischof anzubringen weiß. Der Handel im Inneren des Reiches scheint sich gleichfalls auszubreiten. Wo immer sich größere Massen ansammeln, bei Heeres¬ und Gerichtsversammlungen ist der jüdische Kaufmann am