Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 55 (sequence 55)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein Blick in das Wirtschaftsleben der Juden im Mittelalter. 55 wollen, angewiesen. Darauf konnten sie aber nur insoweit und solange rechnen, als man sie brauchte. Als Landwirte und Bauern aber brauchte man sie nicht. Der kulturiähige Boden war nach den damaligen Ackerbaumethoden besetzt. Dazu mochten sich die Juden wohl auch für die ungleich anders geartete Weise des Ackerbaus in den nördlicheren Ländern weniger eignen, zum mindesten gar keine Erfahrungen mitbringen, um mit den an das rauhere Klima und die härtere Arbeit gewöhnten Kassen wetteifern zu können. Die jüdischen Kolonien waren also Handels- und Kaufmannskolonien, welche den Völkern, unter denen sie sich ansiedelten, gar oft tüchtige Lehrmeister in diesen Berufen wurden. Dazu kam, daß im Mittelalter, wie ja auch heute noch vielfach, die ganze politische Macht und die Ausübung richterlicher, polizeilicher und sonstiger obrigkeitlicher Kechte an den Besitz von Grund und Boden geknüpft war. Da war es nun die Kirche, welche aus religiösem und materiellem Interesse von Anfang an den jüdischen Grundbesitz auf das Schärfste bekämpfte. Sie konnte es nicht dulden, daß obrigkeitliche Kechte von Ungläubigen ausgeübt wurden, da eine ungläubige oder andersgläubige Obrigkeit für Zwangs* maßregeln im Interesse der Kirche nicht so leicht zu haben sein würde. Sie mußte ferner fürchten, daß andersgläubige Besitzer bei Einziehung der auf dem Grund und Boden lastenden Kirchen zehnten Schwierigkeiten machen würden. Alle diese Gründe genügen vollauf, um die geringe Anzahl der jüdischen Grundbesitzer im Mittelalter zu erklären. Dort, wo diese Gründe nicht wirksam waren, wie z. B. in Spanien, wo sie die Bundesgenossen der Araber waren und als Lohn ihren Teil am Grund und Boden erhielten, da waren sie auch in diesem Berufe stark und im natürlichen Verhältnisse vertreten. Dort bildete der Landbau im lOten Jahrhundert die vornehmlichste Beschäftigung und den Haupterwerb der Juden. Diese Grundbesitzer verfügten nicht über Kapital. „Ich bin kein Händler,“ sagte ein Sterbender, *und hinterlasse daher weder Gold noch Münzen“. Sie pflegten den Boden mit großer Hingebung und verwandelten durch ihre Arbeit